In aller Kürze angezeigt sei hier ein Band, der, 1967 in den USA erschienen, zu den Klassikern der Religionssoziologie zählt, in deutscher Übersetzung aber bisher noch nicht zugänglich war. Wenn nach Luckmann die Funktion der Religion darin besteht, "Mitglieder einer natürlichen Gattung in Handelnde innerhalb einer geschichtlich entstandenen gesellschaftlichen Ordnung zu verwandeln", so greift er über den weitaus engeren Rahmen der traditionellen Religionssoziologie weit hinaus. Sein Interesse gilt demnach nicht der Analyse innerkirchlicher Fragen, sondern vielmehr dem Wandel der" Religion ins Religiöse", der mit dem Bedeutungsverlust der traditionellen Konfessionen einhergeht. Diese Entwicklung nur unzureichend reflektiert zu haben, ist ein zentraler Vorwurf an die kirchlich gebundene Lehre und Forschung. Wesentlicher aber erscheint die Erkenntnis des Autors, dass der "Heilige Kosmos", der "primitiven" Gesellschaften verbindlich und allgemein zugänglich war, in den Industriegesellschaften einem "Warenlager letzter Bedeutungen" gewichen ist, das je nach Bedarf in Anspruch genommen wird. Privatisierung, Utilitarismus und Konsumismus herrschen auch gegenüber religiösen Angeboten vor, und längst haben sich sekundäre Institutionen - vom Okkultismus bis hin zu New Age - gebildet, die die Bewältigung der Transzendenz auch außerhalb der Kirche, und oft als Alltagserfahrung anbieten. Für Luckmann, der die funktionale Beziehung zwischen Selbst und Gesellschaft als Religion ausweist, ist diese nur eine Form der Weltansicht, die sich in den zunehmenden Verfänglichkeiten des Mobilitätsethos ebenso äußert wie im „Familialismus" und der Sexualität. Derart ist die Moderne keinesfalls areligiös, Religion aber unsichtbar geworden. 

Luckmann, Thomas: Die unsichtbare Religion. Frankfurt/M.: Suhrkamp, 1991. 191 S., (stw; 947) DM 16,-/ sFr 13,601 öS 124,80