Mit der Neuauflage dieses Werkes liegen nun erstmals beide Teile der "Gifford-Lectures" vor, die Weizsäcker auf Einladung der Universität Glasgow vor 27 Jahren hielt. Weniger die Tatsache, dass der Autor selbst "grundsätzlich" auch heute dieselben Thesen vertreten würde, lässt dieses Werk aktuell erscheinen, es ist wohl eher der "langsame Schritt" philosophischer Reflexion, der sich den Launen des Zeitgeists widersetzt. "Schöpfung und Weltentstehung - Die Geschichte zweier Begriffe" ist Thema des ersten Zyklus, in dem Weizsäcker die Auffassung vertritt, dass - "der Glaube an die Wissenschaft die Rolle der herrschenden Religionen unserer Zeit spielt", - "die Bedeutung der Wissenschaft (...) nur in Begriffen (zu) erläutern (ist). die eine Zweideutigkeit ausdrücken". Das Faktum, dass todbringende Waffen offenbar den Frieden sichern, Wissenschaftler aber die Rolle der Priesterschaft einnehmen, wird als Beleg der beiden Thesen angeführt. Während die Entwicklung des abendländischen Welt- und Wissenschaftsverständnisses Thema der ersten Vorlesungsreihe ist, geht es in Teil zwei um die Philosophie der modernen Physik, mit der sich der Autor u.a. auch in "Die Einheit der Natur" (1971) sowie "Aufbau der Physik" (1985) beschäftigte. Wenn die ins Treffen geführte" Verlässlichkeit" der Wissenschaft vielfach auch nicht zu bestreiten ist, bleibt zu fragen, ob nicht die Praxis, zu fast jeder relevanten Frage Gut- und Gegengutachten anzubieten, die versprochene Sicherheit mehr und mehr torpediert. 

Weizsäcker, earl F. v.: Die Tragweite der Wissenschaft. 6. Aufl. Stuttgart: S. Hirze/, 1990. 481 S., DM 38,- / sFr 33,70/ öS 296,40