Kompromisslos kritisiert Pestalozzi die New-Age-Bewegung. Neues Bewusstsein allein führt nicht zu den postulierten Veränderungen. Den New-Age-Denkern wird Technologiegläubigkeit und Beibehaltung des wirtschaftlichen -Status-quo vorgeworfen. Die Machtfrage wird verdrängt. Zynismus sei es außerdem, die Probleme zu individualisieren. Wie soll der einzelne Mensch. Verantwortung tragen, wenn er immer auf Pflichterfüllung dressiert wurde. Die Änderung der Werte führt noch lange nicht zu einer neuen Wirtschaft. Die Wirtschaft funktioniert nämlich nicht nach einem System von Werten, da Macht und Profit die wesentlichen Steuerungsfaktoren für gesellschaftliche Entwicklungen sind. Der Autor von »Nach uns die Zukunft« hält der neuen Innerlichkeit und dem kosmischen Bewusstsein seine Vorstellungen von aktiver Demokratie entgegen. »Wir brauchen' keine Führer mehr, wir machen es selbst. (...) Das neue Zeitalter, das ist der autonome Mensch.« Nach seinen Vorstellungen müssten wir die Wirtschaft unterlaufen, anders Demokratie leben, denn die »Angst vor den Mächtigen ist die Basis unseres Systems«. Beispiel dafür ist ihm die »Reproduktionsanstalt Schule« und der Religionsunterricht. Pestalozzi will keine blühende chemische Industrie und keine steigenden Einzelhandelsumsätze, sondern dass die Menschen zufrieden sind, genug haben und sagen: »Es reicht jetzt allmählich.« Bezüglich der New-Age-Bewegung wird er das Gefühl nicht los, dass dies »ein superraffinierter Trick jener Kreise ist, die ihr Möglichstes tun, um die sich anbahnende Rebellion der Basis des Volkes zu unterlaufen«.   

Man tut gut daran, die Ausführungen Pestalozzis als das zu lesen, was sie sind - ein Pamphlet! Die wortgewaltigen Argumente des »freien Publizisten und autonomen Agitators« warnen zurecht vor »falschen Propheten«; sie schießen jedoch dort übers Ziel hinaus, wo sie - gleichsam im zornigen Kahlschlag - die eigenen Ansichten desavouieren. Dort wo Pestalozzi die aufrichten Protagonisten einer »Wendezeit« wie Capra und Henderson attackiert, untergräbt er die eigene Oberzeugung. Mit der Auffassung, dass Verstehen über Wissen, ganzheitlich »generalistisches« Denken über realitätsblindes Expertentum zu stellen ist, steht er nicht alleine. Sein Vorschlag, vor neuen »Führern« auf der Hut zu sein, gilt letztlich auch für ihn.

Pestalozzi, Hans H.: Die sanfte Verblödung. Gegen falsche New-Age-Heilslehren und ihre Überbringer - ein Pamphlet. 4. Aufl. Düsseldorf: Hermes, 1987. 62 S.