Der Begriff Bruttosozialprodukt (BSP) sollte längst ausgedient haben, da er die unabsehbaren Umweltschäden nicht berücksichtigt. Gerade aufgrund der Umweltinvestitionen zur Verhinderung von Waldsterben, Bodenvergiftung, Gewässerverunreinigung usw. wird dieser "Wohlstandsindikator" absurderweise stabilisiert. Bis Anfang der 70er Jahre konnte mit dem Begriff noch die jährliche Rate des Wirtschaftswachstums beschrieben werden. Danach aber wurde das BSP als Ausdruck gesellschaftlichen Wohlergehens zunehmend fragwürdiger: Ein Unfall im Straßenverkehr führt zu einer Steigerung des Wachstums und damit zu einer Veränderung des BSP.

Die Entstehung von Umweltschäden werden nicht als zusätzliche Kosten der Produktion registriert, die Aufwendungen für Reparaturen hingegen als zusätzliche Erträge erfaßt. Obwohl oft auf dieses Problem, hingewiesen wurde, findet der Begriff nach wie vor die ihm einmal zugedachte Verwendung. Hingegen gibt es noch kein etabliertes System der Rechnungslegung für ökologische Kosten. "Umweltwerte werden bewußt oder unbewußt leichter zugunsten der Hoffnung von mehr Wirtschaftswachstum geopfert, wenn die damit verbundenen ökonomischen, ökologischen und Lebensqualitäts-Verluste nicht registriert oder fälschlicherweise sogar als positiver Wachstumsbeitrag verbucht werden."

Der Autor beschreibt die Ergebnisse des Forschungsprojekts zum Thema Wachstumskritik mit Blick auf ökologische und soziale Folgekosten des wirtschaftlichen Wachstumsprozesses. Vor allem führt er die defensiven bzw. kompensatorischen Kosten als eine Komponente der Aufwendungen an. Daneben müssen aber auch nichtvermiedene und nichtkompensierte Verluste in die Gesamtbeurteilung eingehen. Eine Schweizer Forschergruppe (NAWU-Report) sprach schon vor 10 Jahren vom drohenden „Leerlauf der Zivilisationsmaschine“, der Eintritt, wenn sie durch das Wirtschaftswachstum ausgelösten Folgekosten größer werden als der Produktionszuwachs. Der Autor kommt zu dem Schluß, "daß das Wachstum des BSP in einem zunehmenden Umfang von der Vermarktung beziehungsweise staatlichen Regulierung von negativen Wachstumsfolgen getragen wird". "Das Wachstum des BSP profitiert zunehmend von den Schäden, Nachteilen und strukturellen Verschlechterungen, die es selbst produziert."

Leipert, Christian: Wachstum, Naturverluste, Folgekosten. Die brisanten Konsequenzen des ökonomischen Wachstumskonzepts. In: universitas. 1988, Nr. 11.S. 1194-1202.

Wenn Umweltsünden und Unfallkosten für "Wohlstand" sorgen ... Ökologische und soziale Kosten eines zu engen Wirtschaftskonzepts in der wachstumsfixierten Welt. In: Frankfurter Rundschau. 1988, Nr. 208 v. 7.9., S.14