Eine umfangreiche Analyse der „Krisen des Kapitalismus“ (aus marxistischer Sicht) hat Saral Sakar vorgelegt. Seine zentrale Aussage: Der auf permanente Expansion ausgelegte Kapitalismus werde letztendlich an den Ressourcengrenzen scheitern. Der Autor skizziert zunächst marxistische Krisentheorien, die Große Depression der 1930er-Jahre (in Anlehnung an John Kenneth Galbraiths Analyse aus dem Jahr 1955 „The Great Crash“) sowie als vermeintliche „Retter des Kapitalismus“ Schumpeters „Schöpferische Zerstörung“ und Keynes Deficit-Spending (auch wenn beide – wie Sakar nachweist – die Zukunft des Kapitalismus nicht besonders positiv beurteilt hatten). Er wendet sich in der Folge dem Aufstieg des Neoliberalismus bei gleichzeitiger Verdrängung des Keynesianismus sowie den aktuellen Krisen des Kapitalismus, beginnend mit den Verschuldungskrisen der Entwicklungsländer in den 1980er-Jahren, zu. Die Hauptkritik des Autors richtet sich auf die vernachlässigten Defensivkosten etwa für „Sicherheit“ oder die „Versicherung“ gegen Naturkatastrophen sowie auf das Versiegen der nichterneuerbaren Rohstoffe, generell der wachsenden Entropie. Technische Innovationen würden einen abnehmenden Grenznutzen aufweisen, erneuerbare Energieträger bedeutend teurer als die fossilen sein. „Unsere unbezahlten Schulden bei der Natur“ seien eine „Quelle unseres gegenwärtigen Wohlstands“, was nicht zu denken sei ohne die „in Kauf genommene Verarmung unserer Nachfahren“, so Sakar (S. 305). Und der Ersatz durch Alternativen sei nur begrenzt möglich: „Was machbar ist, ist nicht immer wirtschaftlich lebensfähig.“ (S. 308)

 

Die Frage, ob Kapitalismus mit Schrumpfung grundsätzlich vereinbar sei, verneint Sakar. Kapitalismus funktioniere nur, wenn immer neue Investitionsmöglichkeiten gefunden und die Profit- rate steige bzw. zumindest gehalten werde (S. 326). Er prognostiziert eine Zunahme der Krisen. Erneuerbare Energien würden nie in dem Ausmaß bzw. dieser Konzentration zur Verfügung stehen wie die fossilen Ressourcen, die Weltwirtschaft werde daher zwangsläufig schrumpfen. Dem Petrokapitalismus bzw. Petrosozialismus (á la Venezuela) werde eine andere, wieder bescheidenere Zivilisation folgen: „Die Menschheit als Ganzes wird sich mit viel weniger Gütern und Dienstleistungen begnügen müssen. Und sie wird viel mehr mit Körperkraft arbeiten müssen.“ (S. 348) Auch wenn es erfolgreiche Krisenbewältigungsstrategien gäbe – Sakar nennt die Niederlande und die skandinavischen Länder, die Wachstumsrückgänge abgefangen und soziale Stabilitäten auf neuer Basis geschaffen hätten – letztlich scheitere das kapitalistische System an der Wachstumsnotwendigkeit (warum der Autor auch dem Konzept einer Steady-state-Economy von Herman Daly oder einer geplanten Marktwirtschaft, wie sie der Ökonom Johannes Opschoor bereits 1991 vorgeschlagen hatte, keine Chance gibt). Sakar plädiert vielmehr für eine Art „Ökosozialismus“: „Ein sozialer Kapitalismus könnte“, so meint er, „die Schmerzen der langen Abwärtsentwicklung lindern. Aber letzten Endes müssen die Gesellschaften ökosozialistische werden, wenn sie nicht in Barbarei versinken wollen.“ (S. 364) Dem kann man zustimmen oder auch nicht! H. H.

 

Sakar, Saral: Die Krisen des Kapitalismus. Eine andere Studie der Ökonomie. Neu-Ulm: AG Spak, 2010. 382 S., € 22,- [D], 22,70 [A], sFr 38,50

 

ISBN 978-3-940865-00-7