Am Schluss seiner „Storys aus der Welt der Abzocker“ aus dem Jahr 2009 (PZ 2/09, Nr. 64) schrieb René Zeyer, PR-Berater für Finanzdienstleister, dass am Ende die Banker nach überstandener Krise genau so weitermachen würden wie vorher. Inzwischen ist klar, die Krise ist noch nicht vorbei, die Weltwirtschaft hat sich noch nicht erholt, doch die Banker betreiben „business as usual“. Nach den oben dargelegten Vorschlägen zur Neuorganisierung des Finanzmarktes stellt sich die Frage, wer, wie und auf welcher Ebene Änderungen beschließen und umsetzen kann.

 

Hat sich überhaupt etwas geändert im Jahr der Krise? Sicher, die Welt ist ein paar Tausend Milliarden Bankenhilfen ärmer, ein paar Dutzend Millionen Arbeitslose reicher geworden und es gibt kaum einen Staat, der nicht über drastische Maßnahmen zur Schuldensanierung nachdenkt. In den hier vorgelegten 50 neuen Storys aus der Welt der Banker klingt wohl deshalb auch mehr Zynismus und Resignation durch als noch bei der ersten Ausgabe, denn die große „Abzockerei“ geht munter weiter. Von der vielzitierten (auch in der vorliegenden Pro Zukunft oft bemühten) Chance der Krise ist weit und breit nichts zu erkennen.

 

Erfrischend und mit spitzer Feder veranschaulicht Zeyer seine Sicht der Bankenwelt.

 

Laut „Welt-Online“ werden rund 46 Prozent des täglich an den Börsen der USA gehandelten Wertpapiervolumens durch Hochgeschwindigkeitstechnik umgesetzt. Angeblich soll es dadurch möglich sein, bis zu 8000 Käufe und Verkäufe in der Sekunde zu tätigen. Die US-Citygroup machte 2008 einen Verlust von 37,7 Milliarden Dollar. Vor dem Kollaps rettete sie eine Staatshilfe in der Höhe von 45 Milliarden. Das Versagen ihrer Banker vergoldete sie also mit insgesamt 5,33 Milliarden Bonuszahlungen.“ (S. 175) Gerne wird Bernard Madoff als größter Finanzbetrüger aller Zeiten hingestellt. Madoff hat aber, so Zeyer, lediglich 65 Milliarden kassiert, die „internationalen Bankerbanden hingegen haben mehr als 1000 Milliarden allein an Boni zwischen 2004 bis 2007 abgeräumt“. Und noch eine „utopische Zahl“ soll nicht unerwähnt bleiben: Der International Monetary Fund hat die Schadenssumme der aktuellen Finanz- und Wirtschaftskrise auf bislang 4000 Milliarden Dollar geschätzt.

 

In seinem Buch „Bank, Banker, Bankrott“ sprach der Autor vom größten Bankraub aller Zeiten, der ohne Umweg in die globale Finanzkrise geführt hat und räumt ein, dass jeder Mensch das Potenzial zur Besserung hat. Die Banker aber haben seiner Ansicht nach nur kurz innegehalten, denn die Abzocker von einst sind Abzocker geblieben. Die Schatullen der Banken sind prall gefüllt mit Milliarden-Staatshilfen. Das Geld vom Staat, scheint es, ist das neue Spielgeld.

 

 

 

Keine Zukunftslösungen in Sicht?

 

Wir diskutieren gegenwärtig über Zukunftslösungen aller Art: Von Aufsplittung des Bankensektors, von neuen, schärferen Regeln, neuen Behörden, internationaler Zusammenarbeit, Verhinderung von Steuerbetrug, Begrenzung der Boni, einer Bankensteuer, scharfen Kontrollen usw. ist nach wie vor die Rede. Die betroffenen Banken nehmen zwar „das Gefuchtel der Politiker, Experten und neuerdings sogar des Papstes zähneknirschend zur Kenntnis, investieren aber heftig in Anti-Lobbying, denn man will sich ja die Boni der Zukunft nicht vermasseln lassen“ (S. 180).

 

Am Schluss gibt sich Zeyer jedoch wieder versöhnlich und hofft doch auf eine grundlegende Neugestaltung des Finanzsektors und der Weltwirtschaft.

 

Der Rezensent aber fragt sich, wie es weitergehen soll. Und selbst Dominique Strauss-Kahn, Direktor des Internationalen Währungsfonds, scheint zu resignieren, wenn er bedauert, dass noch immer keine Regelungen gefunden wurden, „um zu ‚verhindern, dass eine kleine Gruppe von Männern und Frauen aus Geldgier die gesamte Weltwirtschaft in die Katastrophe führt‘ (zit. nach Zeyer, S. 184)“. A. A.

 

Zeyer, René: Zaster und Desaster. Neue Storys aus der Welt der Abzocker. Zürich: Orell Füssli-Verl., 2010. 188 S., € 19,90 [D], 20,50 [A], sFr 33,80

 

ISBN 978-3-280-05384-3