
Mit ihrem Buch „Die Kraft der Angst“ möchte Alexandra Shaker auf bemerkenswert interdiszi plinäre und persönliche Art über ein alltägliches, aber missverstandenes Gefühl aufklären: Unsere Angst. Diese wird meist als Schwäche oder gar lästige Störung gesehen, darauf reduziert und somit missverstanden. Meistens geht es nur darum, dass sie kontrolliert, überwunden oder schnell beseitigt werden muss. Dabei ist sie ein wichtiges psychisches und biologisch tief verankertes Signal, das verstanden werden möchte. Angst kann Unsicherheit, Verletzlichkeit und Kontrolle bedeuten – sie kann aber auch schützen, verändern und orientieren. Man kann sie in Stärke, Selbsterkenntnis und Mut verwandeln – wenn man sie wirklich versteht. Die Autorin lädt daher dazu ein, sich tiefergehend mit der Angst und ihrer Bedeutung auseinanderzusetzen und sie als zentralen Bestandteil menschlichen Lebens zu sehen. Dabei verknüpft sie Wissen aus der Psychologie und Neurowissenschaft mit persönlichen Fallgeschichten. Sie setzt Angst mit den damit einhergehenden gesellschaftlichen, körperlichen und psychischen Vorgängen und Abläufen im gesamten Organismus in Verbindung. Beispielsweise gibt es Zusammenhänge mit Erkrankungen des Herz-Kreislauf-Systems, mit Entzündungsprozessen oder mit der Darm-Hirn-Achse. Die zunehmend komplexer werdende und krisenbehaftete Welt führt zudem dazu, dass unser inneres System in ständiger Dauer- und Alarmbereitschaft ist. In Zeiten von Polykrisen, Leistungsdruck, sozialer Unsicherheit sowie Existenz- und Zukunftsängsten kann dies unseren Körper und unsere Psyche nachhaltig prägen und schädigen. Ängste sind kein individuelles Problem, sondern ein Hinweis darauf, dass Änderungen nötig sind. Chronischer Stress und unverarbeitete Angst können langfristig zahlreiche Erkrankungen begünstigen. Psychosomatische Beschwerden wie Schlafprobleme, Verdauungsbeschwerden oder Herzrasen sollten daher nicht als temporäre Nebenwirkungen im Alltag unterschätzt werden. Angst ist ein wichtiger Hinweisgeber. Um ihre heilende Wirkung entfalten zu können, sollte man ihre Sprache verstehen lernen. Persönliche Beobachtungen und Geschichten veranschaulichen das theoretische Wissen. Jedoch ist dieses Buch kein klassischer Ratgeber mit einem Werkzeugkasten aus konkreten therapeutischen Übungen oder schnellen Lösungen. Es dient vielmehr dem Verständnis und lädt dazu ein, in sich hineinzusehen und über eines der prägendsten Gefühle unseres Lebens nachzudenken.








