Viviane Forrester klagt an, leidenschaftlich, kompromißlos: Der ihrer Meinung nach schwerste Skandal des ausgehenden Jahrhunderts, die Massenarbeitslosigkeit die global agierende Wirtschaft, die Politik und die von all dem Betroffenen sind ihr Thema. Ihre essayistisch anmutenden Analysen treffen jedoch ins Schwarze: Von Wirtschaftskonzernen erdachte Globalisierungsstrategien verändern das Weltwirtschaftssystem grundlegend. Die Globalisierung eröffnet den Wirtschaftsmächtigen den Standort mit dem günstigsten Kostenfaktor. Dadurch kommt es zu dramatischen Umstrukturierungen, zum Zusammenbruch herkömmlicher Produktionsschwerpunkte und zu Massenarbeitslosigkeit - nicht als vorübergehende Erscheinung, sondern als Strukturphänomen. Das Buch könnte auch "Das Ende der Arbeit" heißen, denn die Globalisierungsgewinnler haben, so Forrester, nicht vor, neue Arbeitsplätze zu schaffen, sondern zu reduzieren, wo immer es geht. Ein Gesellschaftssystem, das Arbeit als zentralen Lebensinhalt definiert hat tut sich demnach immer schwerer, einen adäquaten Ersatz zu finden und den Leuten zu erklären, daß es in Zukunft immer weniger bezahlte Arbeit geben wird. Die Folge sind Furcht und Verunsicherung, Zorn auf Politiker, deren Handlungsspielraum noch immer überschätzt wird, und die Anfälligkeit für "starke" Politiker, die Rettung versprechen (ohne sie freilich zu bringen). Was die Autorin besonders erzürnt ist der Umstand, daß die   Politik meist immer noch so auftritt. als könnte sie - in Fortsetzung des gegenwärtigen Kurses - gegen den Zynismus der Ökonomie etwas ausrichten. Damit beruhigt sie bestenfalls die Opfer - geholfen ist damit allerdings kaum jemandem. Letztlich zeigt Forrester, daß der global agierenden Wirtschaft die von ihr verursachte Bedrohung demokratischer Strukturen nicht nur egal. sondern durchaus recht ist. Schließlich braucht sie günstige Produktionsfaktoren. nicht aber auf Rechte pochende Arbeiter und Angestellte. Der ”fetror der Ökonomie" ist ein mutiges. engagiertes Buch für Menschen, die Zukunft wollen, daß Forrester manchmal zu stark auf Feindbilder abhebt schadet der Analyse kaum. Sie ist begründetermaßen erzürnt auch über die Lethargie der Betroffenen, die dem Terror der Ökonomie nichts Geeignetes entgegenzusetzen haben. Alternative Konzepte würden, wenn überhaupt nur am Rande wahrgenommen und zu wenig diskutiert um der legal agierenden, globalen Spekulation entschlossen gegenüberzutreten. G. W

Forrester, Viviane: Der Terror der Ökonomie. Wien: Zsolnay, 1997. 276 S.