In der Originalausgabe 1995 vorgelegt und unseren Leserinnen in der zusammenfassenden Darstellung Michael Mariens in PZ 96*531 erstmals vorgestellt, sei auf diesen nunmehr auch in deutscher Sprache verfügbaren Titel aus guten Gründen nochmals verwiesen. Die inzwischen auf 22 Personen angewachsene, interdisziplinär zusammengesetzte Expertengruppe rund um Riccardo Petrella (der ehemalige Direktor des FAST-Programms der EU hat gegenwärtig einen Lehrstuhl für Wirtschaftswissenschaften an der Universität Leuwen inne) hat mit "Grenzen des Wettbewerbs" eine gleichermaßen fundierte wie deutliche Warnung formuliert und zugleich Perspektiven für eine Neuorientierung in globaler Verantwortung benannt. Ohne die Maxime des Wettbewerbs per se in Frage zu stellen - er ist Triebkraft von Innovation und Kreativität auch in Richtung tragfähiger Entwicklung - treten "die Lissaboner" doch entschieden gegen "die Exzesse des Wettbewerbskapitalismus" auf; der nicht mehr Mittel, sondern Zweck des Wirtschaftens geworden sei. Die vielschichtigen Globalisierungsprozesse (Finanzen, Märkte, Technologien, Lebensformen, Kulturen, Steuerungs- und Regelmechanismen, bis hin zu Wahrnehmung und Bewußtsein) seien dafür verantwortlich, daß "die Welt langsam von einer Ära des ,Reichtums der Nationen' in eine Ära des ,Reichtums der Welt' übergehe". Davon würden jedoch nur wenige profitieren, das Heer der Ausgegrenzten und Chancenlosen indes nicht nur in den sogenannten Entwicklungsländern, sondern auch in der „Triade" des globalen Wettbewerbs (Japan, USA Europa) stetig wachsen. Mit Nachdruck fordert die Gruppe, deren Mitglieder sich ausschließlich aus Ländern dieser "Wohlstandsregionen" rekrutiert, die besondere Verantwortung und Gestaltungskompetenz der „Triade" ein. Denn letztlich wirksame Lösungen erfordern u.a. "völlig neue Antworten auf die Frage, wie Menschen auf produktive Weise weniger Lebenszeit mit Arbeit verbringen können, in welcher Form die Erziehungssysteme zu reformieren sind (...) und die arbeitsfreien Zeiten aussehen sollen". Eindringlich warnt die Gruppe davor, dabei vorrangig auf technische Lösungen zu setzen oder die Ideologie des Wettbewerbs zu forcieren. Denn zum einen mahne "die relativ kurze Geschichte der Anwendung und Verbreitung der Informations- und Kommunikationstechnologien (...) zur Vorsicht (...), [sei] Technologie immer nur ein Teil der Lösung, und meist nicht der entscheidende gewesen". Zum anderen führe - wofür zahlreiche Gründe benannt werden - "Wettbewerb in einem Kontext konkurrierender Staaten tendenziell zu seiner Selbstaufhebung". Um den unabdingbaren Kurswechsel zu vollziehen, werden die Ausarbeitung und Umsetzung von vier ”globalen Verträgen" empfohlen, die von den Prinzipien der Effizienz, der Verantwortung, der Relevanz und der Toleranz diktiert sind: einem Grundbedürfnisvertrag (zur Beseitigung sozialer Ungleichheiten), einem Kulturvertrag (zur Förderung von Toleranz und interkulturellem Dialog), einem Demokratievertrag (mit dem Ziel einer bürgerschaftlich fundierten Globalsteuerung) und einem Erdvertrag (zur Durchsetzung einer nachhaltigen Entwicklung). Man mag einwenden, daß mit Manifesten allein ein “neues Bewußtsein der Zusammengehörigkeit jenseits des Wettkampfs" noch nicht mit Leben erfüllt wird. Wege in diese Richtung jedoch aufzuzeigen, und zur globalen Agenda zu erklären. ist vordringlich. Dazu leistet diese Studie, der breite Resonanz und Folgenhaftigkkeit zu wünschen ist. außerordentliches. W Sp.

Grenzen des Wettbewerbs. Die Globalisierung der Wirtschaft und die Zukunft der Menschheit. Hrsg. v. der Gruppe von Lissabon. München: Luchterhand, 1997. 223 S., DM 36,- / sFr 34,80,- / öS 263