Alain Minc schlägt zurück: Während die Französin Viviane Forrester in ihrem Bestseller „Der Terror der Ökonomie“ den Irrationalismus und Zynismus sowie die weltweit katastrophalen Auswirkungen der neoliberalen Wirtschaftspolitik geißelt, setzt der ebenfalls aus Frankreich stammende Wirtschaftswissenschafter in der vorliegenden Publikation zu einer pauschalen Rechtfertigung der „glücklichen Globalisierung“ an - so der Originaltitel des Buches.

Nein, so lautet die Botschaft von Alain Minc, nicht die Globalisierung ist schuld an den sozialen Spannungen und der Entmachtung der Politik, sondern das Festhalten an überholten Vorstellungen und die Blindheit vor einer fundamental veränderten Weltrealität. Aufgrund der ökonomischen Globalisierung haben unsere Gesellschaften die Wahl zwischen drei Richtungen: der allumfassende Staat, der mit seinen antiquierten Rezepten die Wirtschaft kontrollieren will und dabei nur die Eigendynamik der Globalisierung verstärkt. Der „König Markt“, dessen Alleinherrschaft zwingend zu mehr sozialer Ungleichheit führe. Nur eine dritte Richtung ist für den Autor nicht zum Scheitern verurteilt: die globale Wirtschaft als unumkehrbar zu akzeptieren, ihre Spielregeln zu erkennen und politische Steuerungskräfte freizusetzen, die die Dynamik der Globalisierung für die Wohlfahrt, den Arbeitsmarkt und das Wachstum nutzen.

Minc plädiert dabei für einen „durch das Prinzip der Billigkeit und das allgemeine Interesse gezügelten Markt“. Unter dem Diktat des „ehernen Gesetzes der Produktivität“ muß sich staatliche Politik  von der Illusion verabschieden, sie könne nach den Prinzipien von Gerechtigkeit, Gleichheit und Solidarität in die Verteilung eingreifen. Nicht die Demokratie habe „über alles“ (deutsch im französischen Original!) triumphiert, sondern der Markt. Die Folgen davon reflektiert und analysiert der Autor jedoch nicht, sondern begrüßt das Ergebnis als glücklichen Beginn einer Rückkehr zum „Naturzustand“. M. K.

Minc, Alain: Globalisierung - Chance der Zukunft. Wien: Zsolnay, 1998. 239 S., DM 32,- / sFr 32,- / öS 205,-