Die Industriegesellschaft wird nur dann eine Zukunft haben, wenn es gelingt, zunehmende Ungleichheit der Einkommensverteilung, Massenarbeitslosigkeit und gesellschaftliche Fragmentierung einerseits und die globale Gefährdung der Umwelt andererseits durch soziale Reformen und ökologische Modernisierung zu überwinden, so lautet die Kernthese dieses Jahrbuchs für Arbeit und Technik. Die Massenarbeitslosigkeit gilt allgemein als eines der Hauptprobleme. In der BRD leben 7,5 Mio. Arme, 4,3 Mio. statistisch ausgewiesene Arbeitslose, insgesamt fehlen etwa 6 Mio. Arbeitsplätze, über 1 Mio. Kinder und Jugendliche leben von Sozialhilfe. Offensichtlich ist, so der Herausgeber Werner Fricke in seinem Vorwort, daß "das konservative Konzept des Abbaus von Sozialleistungen ... zur Lösung der genannten Probleme untauglich" ist. Ein weiteres wichtiges Thema ist für ihn das Phänomen der Politikblockaden, wenn einerseits seit Anfang der 80er Jahre ökologische Steuerreformkonzepte diskutiert werden und andererseits nach über 15 Jahren fast nichts geschehen ist. Harmut Elsenhans zeigt in seinem interessanten Beitrag, daß der Zusammenhang zwischen Lohnhöhe und Lohnnebenkosten nicht hausgemacht ist. Grund für die hohen Lohnkosten sind vielmehr die deutschen Exportüberschüsse und die Geldabwertung der wichtigsten Handelspartner. Im zweiten Abschnitt finden sich eine Reihe von Überlegungen, wie durch Reform, Innovation und ökologische Modernisierung die Zukunft der Industriegesellschaft gesichert werden kann. Anfänge dazu sieht Andre Gorz in einer höheren Bewertung der Entfaltung der Persönlichkeit, statt im Streben nach Erfolg. Als "Bedingung für die Zukunftsfähigkeit der modernen Gesellschaft" setzt Ulrich Beck in seiner "Utopie der Weltbürgergesellschaft" die verantwortliche und selbständige Teilnahme jedes einzelnen Bürgers am Weltgeschehen. Schließlich werden Reformkonzepte für eine nachhaltige Entwicklung von Wirtschaft und Gesellschaft am Beispiel Nordrhein-Westfalen praktisch überprüft und einmal mehr die Diskrepanz zwischen Theorie und Praxis konstatiert.   Die Fülle an präsentierten Problem lagen, Zukunftsentwürfen, Modernisierungskonzepten und Beispiele machen das Jahrbuch zu einem wertvollen Reader im Hinblick auf die tiefgreifenden sozioökonomischen Veränderungen der Industriegesellschaft. A. A.

Zukunft der Industriegesellschaft. Jahrbuch Arbeit und Technik 1996. Hrsg. v. Werner Fricke. Bann: Dietz, 1996.471 S.