Wie das "Symposium Energiepolitische Verständigungsaufgaben ", das in dieser Veröffentlichung vollständig wiedergegeben wird, bereits im Titel andeutet, geht es hier nicht so sehr um eine tatsächliche und endgültige Lösungsfindung, sondern darum, ein "Modell gesellschaftlicher Verständigung" zu finden. Denn obwohl Bezeichnung, Thema und Diskussion dieser Tagung weiter gefasst sind, steht doch die Frage im Zentrum "Atomkraft Ja oder Nein". Und wenn sich auch nur wenige der Diskutanten offen zur Atompolitik bekennen, so ist doch die Tschernobyl-Stimmung verraucht, und Beschlüsse von damals scheinen vergessen. Reinhard Ueberhorst, der die Einführung geschrieben, dieses Symposium vorbereitet und eine Studie dazu angefertigt hat. führt auch die Moderation durch. Auffällig ist eine oft schwerverständliche Ausdrucksweise, und bei einigen Sprechern hat man das Gefühl, dass sie der Dringlichkeit und Brisanz des Gegenstandes durch Benützung von Fremdwörtern und komplexen Konstruktionen aus dem Weg gehen wollen: " ... kooperative Konzeptualisierung der komplexen Kontroverse in Form von Konsensoperationen ... jeweils implizierten Akteurskoalitionen" .

Häufig angesprochen wird die Notwendigkeit, parteipolitische Politikformen zugunsten von übergreifenden Lösungen aufzugeben. Denn immer wieder zeigt sich, dass es nicht so sehr an der technischen Machbarkeit. sondern am politischen Willen oder an der politischen Fähigkeit liegt. Ergänzt wird dieser Band noch um Materialien und Kommentare sowie eine ausgewählte Pressechronologie bis Juli 1993. Besonders wirkungsvoll ist die Gegenüberstellung eines Briefes von den Atomstromkonzernchefs Gieske (RWE) und Piltz (VEBA) an den Bundeskanzler mit Reaktionen vom AntiAtom-Plenum Hessen/Baden oder der Umweltorganisation Robin Wood. Ohne Kommentar und direkte Parteinahme gelingt es damit. die Problematik für sich selbst sprechen zu lassen und die Dimensionen des Konfliktes vor Augen zu führen.

B.Ö.

Energiekonsens? Der Streit um die zukünftige Energiepolitik. Hrsg. v. Tom Koenigs

München: RabenVerlag 1993. DM 27,-/sFr 23,-/ÖS 210