Plutonium, eine hochradioaktive Substanz, entsteht bei Kernspaltungsprozessen und wird in größeren Mengen von sogenannten schnellen Brütern und in Wiederaufbereitungsanlagen für Atomabfall erzeugt. Darüber hinaus ist Plutonium - neben dem Uranisotop U 235 - das wichtigste Ausgangsmaterial für die Erzeugung von Nuklearwaffen. Der im Januar 1985 gefällte Entschluß zum Bau der Wiederaufbereitungsanlage Wackersdorf signalisierte den bundesdeutschen Einstieg in die Plutoniumwirtschaft. Er stellt den Ausgangspunkt eines soeben erschienenen Buches dar" in dem mehrere Autoren, großteils Physiker, auf systematische Weise die Verbindungen von sogenannter "friedlicher Nutzung der Atomenergie" und ihrer militärischen Verwendbarkeit aufzeigen.

Die "große Nähe zur Atomwaffenfähigkeit der Plutoniumwirtschaft", so der Herausgeber" legt den Untersuchungsgegenstand fest. Zunächst werden die physikalisch-technischen Grundlagen und Zusammenhänge von "friedlicher" und militärischer Atomenergie und die Unmöglichkeit der Abgrenzung beider Nutzungsformen dargestellt. Anschließend wird detailliert auf das aktuelle Atom-Programm der BRD (Wackersdorf und Hanau) eingegangen. Der dritte und umfangreichste Teil, an dem in der Friedensbewegung tätige Wissenschaftler mitgearbeitet haben, diskutiert die politischen bzw. militärstrategischen Interessen der BRD an dieser Technologie.

Die Reaktorunfälle der letzten Jahre, insbesondere der von Tschernobyl, haben zu großer Skepsis bis zur Ablehnung der Atomenergie geführt. Neben den aus „friedlicher“ Nutzung dieser Technik drohenden Gefahren wurden die militärischen Aspekte in der Diskussion sehr oft vernachlässigt. Das vorliegende Buch, von Fachleuten in einer auch für Laien verständlichen Form geschrieben, trägt dazu bei, diesem Manko entgegenzuwirken.

Reaktoren und Raketen. Bonn auf dem Weg von der zivilen zur militärischen Atomenergie? Udo ScheIb (Hrsg.). Köln: Pahl-Rugenstein, 1987. 337 S. (Kleine Bibliothek; 462) DM 16,80/ sfr 13,30/ öS 131,-