Nach vier Schockwellen - Kommunismus, Faschismus, Entkolonialisierung und Glasnost - stehen wir am Ende des 20. Jahrhunderts vor der größten Herausforderung der Menschheitsgeschichte: Überbevölkerung, Armut, Militarismus, Umweltzerstörung und Klimawechsel, Lebensmittel- und Energieverknappung sind zusammenhängende Aspekte einer globalen Krise, die mit den herkömmlichen Instrumentarien der Politik und Wirtschaft nicht zu lösen sind. Die Tatsache, dass die 42 ärmsten Entwicklungsländer 1991 mit nur 0,7% des weltweit aufgebrachten Investitionskapitals bedacht wurden, ist nur eines der Exempel, die zeigen, dass Solidarität zwar vielfach im Gespräch, de facto aber nicht in Sicht ist. Abgesehen von einigen interessanten Daten zum globalen Energieverbrauch bietet der Laszlo-Report in der Analyse wenig Neues. Als intimer Kenner der UNO und ihrer Teilorganisationen nimmt Laszlo jedoch engagiert zu Möglichkeiten einer umfassenden Problemlösungsstrategie Stellung. Um sektorale Aufspaltungen, Kurzsichtigkeiten der Weltwirtschaft und ökologische Scheinlösungen zu verhindern, plädiert der Autor mit Nachdruck für eine "ganzheitliche Allianz" von Wissenschaft, Kunst und Religion, um, auf Grundlage evolutionärer Prinzipien, auch zu einer Neubewertung   der Weltkulturen zu gelangen. An die Stelle einer sich bestenfalls duldenden Koexistenz hätte eine von gegenseitiger Achtung geprägte" Interexistenz" zu treten, die auch der kulturellen Diversität und der Vielfalt moderner Technologien gerecht würde. Die Menschen anzusprechen, ihnen eine von universellen Prinzipien getragene Bildung und Erziehung zu vermitteln, ist nach Laszlo die vordringlichste Aufgabe des anbrechenden Zeitalters der Kommunikation und Information, in dem suprastaatlichen Organisationen wachsende Bedeutung zukommen wird. Walter Spielmann

Laszlo, Ervin: Der Laszlo-Report. Wege zum globalen Überleben. München (u.e.): Verlag Bonn Aktuell, 1992. 180 S., DM 39,-/ sFr 33,-/ öS 304,20