Ausgehend von der Stellung des psychisch kranken Menschen in der heutigen Gesellschaft bietet Bloch einen Überblick über die Psychiatriegeschichte von Hippokrates bis zum Psychomarkt der Gegenwart. Erwähnenswert sind in unserem Zusammenhang die aktuellen Probleme, die von der Polarisierung zwischen Psycho- und Chemotherapie über die Spaltung der Psychiatrie mit dem Aufkommen der Psychopharmaka nach 1950, den nach wie vor andauernden Streit zwischen Psychiatern und Psychologen bis hin zu der Überforderung des mit psycho-therapeutischen Aufgaben betrauten Allgemeinmediziners reichen. Bedenklich scheint dem Autor auch die Entwicklung der letzten zwei Jahrzehnte in Richtung neuer automatisierter Diagnoseverfahren und die 'Inflation des Depressionsbegriffs. Für die Zukunft des Faches befürchtet Bloch die Verstärkung des Trends zur reinen Soziatrie, einer "Methode zur Vorbeugung von Krankheiten und asozialem Verhalten, zur Eingliederung des Individuums in ein uniformes gesellschaftliches Ganzes (...)". Künftig wird es auch einer zuverlässigeren Unterscheidung zwischen vorwiegend umweltbedingten und erbbedingten psychischen Störungen bedürfen. Eindringlich wird vor den vielfältigen Möglichkeiten psychomedizinischer Irrwege wie der Heranzüchtung bestimmter Herrschaftsrassen und psychopharmakologischem In Schach-Halten der Menschen oder der Manipulationen durch Regierende gewarnt. Der Titel des Buches führt etwas in die Irre, er sollte besser lauten "Allgemeine Darstellung der Geschichte der Psychiatrie mit aktuellem Schwerpunkt Pharmamarkt", so liegt der Verdacht nahe, daß man am Psychoboom selbst teilhaben wollte. Bedenkt man, daß es derzeit über 400 verschiedene psychotherapeutische Methoden gibt, so mutet ein historischer Abriß eher befremdlich an. Ein seriöser Überblick in Form eines Konsumentenführers für Therapiesuchende steht nach wie vor aus.

Bloch, René: Droht uns die totale Psychiatrie? Das Geschäft mit dem Psychoboom. Olten: Walter, 1988, 305 S.