Die Autoren, allesamt Mitarbeiter der UN-Organisation für industrielle Entwicklung UNIDO, erarbeiteten diese Studie im Auftrag ihrer Organisation. Sie stellen fest, daß die weltweite pharmazeutische Industrie erst nach dem 2. Weltkrieg Gestalt annahm, als die Firmen moderne Methoden der Medikamentenentwicklung einführten, was zum Teil durch die Nachfrage nach den neuentdeckten Antibiotika gefördert wurde. Heute stehen etwa 50 multinationale Konzerne für etwa 2/3 der Weltproduktion, der größte Konzern ist Merck. Über 20000 verschiedene Medikamente werden in Märkten wie den USA oder Japan vertrieben. Die WeItkonsumation von Pharmaka (auf Dollarbasis von 1980) hat sich in 15 Jahren von 70 Mrd. $ 1975 auf 150 Mrd. $ 1990 mehr als verdoppelt. In diesen Jahren erhöhte sich 'die Einnahme pro Kopf von $ 17,- auf $ 29,- Der Medikamentenkonsum in Japan ist besonders hoch (etwa das Doppelte der US-Amerikaner und der Europäer) und stieg von einer Kopfquote von $ 51,- (1975) auf $ 258,- im Jahr 1990. Der Medikamentenverbrauch steigt insbesondere in den entwickelten Ländern, wo die Bevölkerung immer älter wird; in den armen Ländern scheint dagegen der Konsum zu fallen: In der Periode 1975-1984 verbrauchten die Entwicklungsländer 20-23% der gesamten Weltpharmaproduktion, 1990 aber nur noch 15 %. Es ist unwahrscheinlich, daß sich dieser Trend einer sich öffnenden Schere in den 90ern signifikant umkehrt, denn "Medikamente für die Krankheiten der Reichen werfen mehr Profit ab als die für in Entwicklungsländern verbreiteten Krankheiten". Eine schonungslose Studie der Pharmaindustrie, ihrer Wettbewerbs- und Kostenstrukturen und ihrer Konzernstrategie. Zu einer noch kritischeren Beurteilung kommt der Beitrag "Bad Medicine: The Prescription Drug Industry in the Third World" in Stanford University Press, Juni 1992, der abschließend formuliert: Die reichen Nationen sind medikamentös überversorgt, die Armen unterversorgt.  W R.

Ballance, Robert; Pogany, Janos; Forstner, Helmut: The World's Pharmaceutical Industries. An International Perspective in Innovation, Competition and Policy. Aldershot, Großbritannien und Brookfield, Vermont: Edward Elgar Publishing, 1992. 275 S., US $ 74,9S.