Boysen schildert hier ihre Erfahrungen als Mitglied einer "als besonders autoritär und aggressiv bekannten Psycho-Sekte", aus der sie sich nur in einem mühsamen Loslösungsprozeß befreien konnte. Zwei Referenten der Evangelischen Zentralstelle für Weltanschauungsfragen (EZW) kommentieren anschließend den Erfahrungsbericht und bringen ihre christlichen Stellungnahmen zur New Age-Bewegung ein. Mit "Rückkehr der Zauberer" und "Endzeit oder Wendezeit" hat sich die Redaktion der Pro Zukunft (4/1987) bereits kritisch mit dieser Thematik auseinandergesetzt. Die Wanderer auf dem Pfad der Wende schreiten indes munter weiter. Es mangelt deshalb nicht an neuen Berichten aus der Bewegung. Boysen bietet dazu Absurdes, Kurioses und Lächerliches. Großteils, und darauf weist Hemminger hin, zeigt sie, wie die hehren Ziele der humanistischen Psychologie verwässert werden und statt der erwarteten Selbstbefreiung die Notwendigkeit alltäglicher Lebensbewältigung im Zentrum steht. Geschrumpft zur puren Problemlösung, ist das Ziel nicht Beseitigung, sondern Bewältigung eines psychischen Defektes. Vom kirchlichen Standpunkt aus kritisiert Küenzlen das Machbarkeitsdenken der Bewegung und ihre (in Verkörperung Capras zutagetretende) Wissenschaftsgläubigkeit. Positiv bewertete wird an New Age aber wohl mit Recht ihr Glaube an die Zukunft. Zitiert wird Max Weber: „Fachmenschen ohne Geist, Genußmenschen ohne Herz! Und dieses Nichts bildet sich ein, die höchste Stufe des Menschentums erreicht zu haben." Durch Aufzeigen fragwürdiger Psychopraktiken leistet das Buch einen wichtigen Beitrag zur Kritik, obwohl die Autorin meist nicht über das Geschichtenerzählen über Bekannte und Freunde hinauskommt. Die magisch-religiöse Alternativszene von den einen beschritten, den anderen belächelt und als Scharlatanerie abgetan, macht den offiziellen Kirchen gehörig Angst. Diesen Eindruck gewinnt man zumindest nach Lektüre der beiden Mitautoren.

Boysen, Gilda; Hemminger Hansjörg; Küenzlen, Gottfried: Im Sog der Psychoszene. Erfahrungen und Kommentare. Stuttgart: Quell, 1988. 156 S.