Wie Marx und Hegel glaubt der Autor an einen zielgerichteten Verlauf der Geschichte. Ursache dafür ist die Entwicklung von Naturwissenschaft und Technik. Zwei Triebkräfte bestimmen nach Ansicht Fukuyamas menschliches Handeln: Das Streben nach Freiheit und Anerkennung sowie das Streben nach Sicherheit und Wohlstand. Beides wird am besten und vollkommensten von der kapitalistisch-liberalen Demokratie befriedigt. Da eine bessere Welt demnach nicht möglich ist, hält Fukuyama das Ende der Geschichte für gekommen. Auf Naturwissenschaft und Technik blind vertrauend, reflektiert Fukuyama meines Erachtens. Zu wenig, dass naturwissenschaftlich nur ein Teil der Wirklichkeit erfasst werden kann. Und wenn Technik und Wissenschaft der Hauptantrieb der Geschichte sind, weshalb ist es dann nicht möglich, dass sie eines Tages verstärkt durch soziale Innovationen ergänzt und korrigiert werden: Diese Kurskorrektur ist denkbar, ja, notwendig, da die Demokratie selbst nach 200 Jahren noch immer nicht in der Lage ist, ihre Ideale der Gleichheit, Freiheit und Schwesterlichkeit annähernd zu verwirklichen. Wären wir tatsächlich schon am Ende unserer Möglichkeiten, so wäre es um unsere Zukunft schlecht bestellt. E. H.

Fukuyama, Francis: Das Ende der Geschichte. Wo stehen wir? München: Kind/er-Verl., 1992.446 S., DM 42,- / sFr 35,60 / öS 327,60