Valdemar Setzer ist Professor für Informatik an der Universität von Sao Paulo, Brasilien, und hat enge Beziehungen zur Waldorf-Pädagogik (seine vier Kinder besuchten eine Steiner-Schule). Offenbar aus einer dabei erfahrenen Spannung diskutiert er in diesem Buch die Frage nach dem Einsatz des Computers in der Schule. In einem ersten Teil analysiert er die Wirkungsweise des Computers und hebt vor allem seine eingeschränkte und formalisierte Sprache, seine Determiniertheit, sein abstraktes Verfahren und die Verführung zur Undiszipliniertheit hervor, der der Nutzer durch die jederzeitige Korrigierbarkeit von Eingaben ausgesetzt ist. In einem zweiten Teil stellt Setzer die Entwicklung des Menschen nach Steiner dar, insbesondere deren Gliederung in drei Jahrsiebte: Geburt bis Zahnwechsel (mit der Entwicklung des Willens und einer ausgeprägten Nachahmungsfähigkeit). 7 bis Geschlechtsreife (mit der Entwicklung der Gefühle und des bildhaften Denkens) und Pubertät bis 21 (mit der Entwicklung der Individualität und des abstrakten Denkens). Vor diesem Hintergrund setzt sich Setzer im dritten Teil mit der Unterrichtspraxis und Einsatzmöglichkeiten des Computers auseinander: dem Programmierten Unterricht nach Skinner, der Simulation, den verschiedenen Anwendungssoftwareformen und dem Programmieren selbst. Nicht überraschend kommt er dabei zum Schluss, dass jedweder Einsatz der EDV vor der Pubertät t= vor der Entwicklung des abstrakten Denkens) nicht kindgemäß und daher schädlich sei, da eine Reihe von Fehlentwicklungen ausgelöst werden kann. Er lehnt daher den Einsatz des Computers für die Unter- und Mittelstufe der Schule schärfstens ab. Der Autor muss sich wegen einer allzu dogmatischen Zugrundelegung der Steinerschen Sicht kindlicher Entwicklung Kritik gefallen lassen, auch werden etliche diskutierenswerte EDV-Möglichkeiten in Zusammenhang mit Textverarbeitung, Datenspeicherung, Fuzzy Logic und dergleichen, die nicht in das vorgelegte Argumentationsschema passen, recht kursorisch behandelt oder gar ausgeblendet. Es präsentiert aber eine Reihe wichtiger Warntafeln gegen einen unreflektierten oder naiv-euphorischen Einsatz des Computers. W R.

Setzer, Valdemar: Computer in der Schule? Thesen und Argumente. Umgearbeitete Fassung der englischen Originalausgabe "Computers in Education" (Edinburgh: Floris, 1989), Übersetzung Lothar Goecke. Stuttgart: Verlag Freies Geistesleben, 1992. 138 S., (Praxis Anthroposophie; 12), DM 14,80/ sFr 12,50 / öS 115,40