Salzburgs Innenstadt, kürzlich von der UNESCO mit dem Prädikat "Weltkulturerbe" bedacht, wird - dies haben 134 Studierende am Institut für Umweltpsychologie der Universität zwischen 1993 und 1995 empirisch festgestellt - von anreisenden Gästen aus aller Welt systematisch, will heißen: 'wenig 'differenziert als Objekt touristischer Begierde in den Blick und in Besitz genommen. Täglich bis zu 4500 Besucher in Mozarts Geburtshaus und eine Spitzenlast von 25000 Städtetouristen in einer 145000 Bewohner zählenden Stadt bevorzugen "Trampelpfade durch den Barock" und folgen dabei bestimmten ”behavior settings", daß diese mit den Lebensbedürfnissen der Bewohner und den Erfordernissen eines nachhaltigen Tourismus nicht in Einklang stehen, überrascht kaum. Von einem historischen Abriß zum Salzburgtourismus ausgehend, beschäftigen sich die Autoren mit einigen Spezifika und Defiziten der Tourismusforschung - konstatiert werden u.a. interdisziplinärer Ansatz und ein Mangel im Theoretischen - und legen Ergebnisse ihrer ”Trekkingstudie" vor: So halten sich etwa 35% der Besucher nicht länger als 3 bis 4 Stunden in Salzburg auf, geben rund 63 % der Befragten "das Schauen" als primären Reisezweck an, womit man vom immer wieder eingeforderten Qualitätstourismus (entsprechende Wertschöpfung mit eingerechnet) natürlich meilenweit entfernt ist. Unter besonderer Berücksichtigung des Kulturtourismus und der (teilweise wohl zu idealistischen) 23 touristischen Veränderungsthesen von Jost Krippendorf plädieren die Verfasser u. a. für "laufend evaluierte, imagefördernde und -korrigierende Maßnahmen" sowie ein ”Besuchermanagement" das alle relevanten Schlüsselbereiche vernetzt". Irrationale Hoffnungen auf Qualitätstourismus und fruchtlose Appelle sollten durch wertorientiertes Marketing ersetzt, "Total Quality Management" angestrebt werden. Zudem könnten zielgruppenspezifische Angebote und Orientierungshilfen Nutzungskonflikte zwischen Gästen und Einheimischen reduzieren. Ein "zwischen Spontaneität und Ritual pendelndes städtetouristisches Ideal" sollte insbesondere durch innovative künstlerische Elemente (wie Kleinkunst und Performance) belebt werden, um "auch für Einheimische die Würze in der Suppe urbanen Erlebens" abzugeben. W Sp.

Keul, Alexander G.; Kühberger, Anton: Die Straße der Ameisen. Beobachtungen und Interviews zum Salzburger Städtetourismus. München (u.a.): ProfilVerl., 1996. 83 S. (Tourismuswissenschaftliche Manuskripte; 1)