Ein ‚Kultbuch' wird nach zehn Jahren neu aufgelegt. Capra verlieh damals jenen Sprache, die in ähnlicher Richtung dachten, die vieles verunsichert hatte, die die Zusammenhänge' bzw. Lösungen der angesprochenen Probleme aber höchstens ahnten. Grundtenor des Werkes: Die Welt ist ein untrennbares, bis ins letzte Detail vernetztes Ganzes - das wollen aber vor allem Politiker und Entscheidungsträger nicht erkennen, weil sie und die Gesellschaft allgemein von unzeitgemäßen Weltbildern und von ungeeigneten Wertvorstellungen geprägt sind. Der Bestand des Planeten und des Menschen als sein Teil ist aber nur vorstellbar, wenn normativ und paradigmatisch prinzipiell umgedacht wird. Warum nach zehn Jahren alles wiederkäuen? Das neuverfasste Vorwort bietet eine Zusammenfassung der Wirkungsgeschichte des Buches einerseits und ein Resümee der gesellschaftlichen Entwicklung im Spiegel der ursprünglichen Thesen des Autors andererseits. Im Laufe der Rezeptions-Geschichte kam ein Kritikpunkt zur Sprache: Capra entwickelt seine Thesen auf der Basis der angelsächsischen Geistes- und Wissenschaftsgeschichte, in der" Einführung" 1991 ergänzt er die einschlägige deutsche Tradition. Diese steigert nicht prinzipiell den Erkenntniswert des Buches in Richtung Lösungsstrategien. Bemerkenswert hingegen ist Capras Darstellung der Entwicklungen, die sich in der praktischen Politik und im Wandel der Werte beobachten lassen. Die Problemkreise Umwelt, Nord-Südgefälle, ihre gegenseitige Abhängigkeit und auch die globale Vernetzung sind heute weitgehend akzeptiert und z. T. Triebfedern wirtschaftlichen und politischen Handelns. Die angestrebte ideelle und faktische Lösung ist trotz aller Ansätze noch nicht in Sicht, sie ist nur durch umfassende, unaufgeschobene und aktive Kooperation denkbar. S.Sch.

Capra, Fritjof: Wendezeit. Bausteine für ein neues Weltbild. aktual. Neuaufl. München: Deutscher Taschenbuch Verl., 1991.513 S., DM 16,80/ sFr 14,20 I 131,-