Wenn man das Wort Chaos hört, denkt man an heilloses Durcheinander, einen Zustand, der vermeintlich im Gegensatz zur berechenbaren und messbaren Ordnung steht, oder an Bewegungsabläufe, die, weil vom Zufall bestimmt, nicht determinabel sind. Wie es etwa der Lauf der Gestirne für den Menschen war, eh er - dem Chaos seither auf der Spur - die Bahnen der Planeten berechnen und vorhersagen konnte. Das "Deterministische Chaos", um das es in diesem Buch geht, ist daher ein in sich widersprüchlicher Begriff: "Bestimmte Formlosigkeit" oder "festgelegte Konfusion" muten ebenso widersinnig an wie „wohldefinierter Wirrwarr". Und doch scheint es etwas Derartiges zu geben. Es lässt sich sogar mathematisch erfassen und in gewisser Weise messen. Die Gesetzmäßigkeit der fraktalen Geometrie, derzufolge sich bestimmte Formen auf allen Größenskalen wiederholen, lässt den Reiz und die Grenzen der Determinierbarkeit des Chaos erkennen. Denn so wie etwa die Koch-Kurve als unendlich lange Linie eine endlich große Fläche umschließt, sind der Voraussage, wie sich ein chaotisches System verhalten wird, trotz der theoretischen Berechenbarkeit, enge Grenzen gesetzt: Die Zeit, in der die Ungenauigkeit einer Messgröße den Wert der Messgröße selbst erreicht hat, limitiert die Vorhersagezeit. Ein auch Außenstehenden nachvollziehbarer Blick auf die Methoden der Chaosforschung und die Anwendung der bis heute gewonnenen Erkenntnisse in den Bereichen Wirtschaft, Medizin, Verkehr, Wetter und Universum machen diesen Werkstattbericht zu einer anregenden Lektüre. R. T

Morfill, Georg; Scheingraber, Herbert: Chaos ist überall ... und es funktioniert. Eine neue Weitsicht. Frankfurt (u.a.): Ullstein-Verl., 1991. 301 S., DM 39,80/ sFr 33,70/ ÖS 310,40