Johannes Gabriel widmet sich dem Spannungsfeld zwischen Wissenschaft und Zukunft. Anhand ausgewählter Zukunftsstudien über China reflektiert er die Methoden, die in diesen angewendet werden. Er kategorisiert sie und überprüft, ob sie ihren Ansprüchen gerecht werden.

 

Zukunft ist für den Autor als Möglichkeitsraum ohne Faktizität zu begreifen. Sie enthält immer mehr Möglichkeiten als erwartet werden können. Für Gabriel ist Zukunft der „Raum der zukünftig gegenwärtigen Zukünfte … und als solcher mit unhintergehbarer Ungewissheit ausgestattet“ (S. 398).

 

Für den wissenschaftlichen Umgang mit Zukunft hält der Autor drei Besonderheiten fest: Es geht erstens um das Bewusstsein der unauflösbaren Spannungspotenziale zwischen Wissenschaft und Zukunft. Es geht zweitens um die erhöhte Gefahr von machtpolitischer Instrumentalisierung vonseiten der Produzenten und Konsumenten. Drittens mahnt er zu einer besonderen Sorgfalt, die einer Verabsolutierung von Grundannahmen, Erklärungsansätzen und Definitionen von Wissenschaftlichkeit und Wissen beharrlich vorbeugt (S. 424).

 

 

 

Wissenschaft und Zukunft

 

Seine Überlegungen fasst Gabriel folgendermaßen zusammen: „Wissenschaft in Bezug auf Zukunft ist die methodisch-argumentative und kritisch-reflektierte Gewinnung, Tradierung und Darstellung intersubjektiv nachvollziehbarer Formen des Denkens in Bezug auf zukünftige Zukunft im Sinne eines komplexen, nur in selektiver Form erkennbaren Raums des Nicht-Wissen-Könnens, die aber durch alternative Beschreibungs-Prognosen zum Zeitpunkt der Darstellung rational gerechtfertigt und plausibel verortet werden kann und als Konstruktionsprozess im Diskurs zwischen Wissenschaft und anderen Gesellschaftssystemen zu verstehen und als solcher  einer radikalen Beunruhigung zu unterwerfen ist.“ (S. 425f.)S. W.

 

 

 

 Gabriel, Johannes: Der wissenschaftliche Umgang mit Zukunft. Eine Ideologiekritik am Beispiel von Zukunftsstudien über China. Wiesbaden: Springer VS. 451 S., € 61,67 [D]; 63,50 [A]; sFr 86,30

 

ISBN 978-3-658-01874-0