Die Geburtsstunde des "Club of Rome" (CoR) war alles andere als glanzvoll, denn das erste Treffen von 36 Wissenschaftlern und Wirtschaftskapitänen, die sich auf Initiative des italienischen Industriellen Aurelio Peccei sowie des schottischen Naturwissenschaftlers Alexander King am 6. und 7. April 1968 in der italienischen Hauptstadt zusammenfanden, um Möglichkeiten der Beschreibung und Lösung der drängendsten Menschheitsprobleme zu erörtern, endete in einem Fiasko. Zwar hatte Peccei. der charismatische Gründer und erste Präsident des "Clubs", die Zielvorgaben umschrieben. war die Existenz einer "Weltproblematik", die es interdisziplinär zu erfassen gelte, wohl unbestritten, doch konnte man sich auf die Art und Weise, wie an diese Aufgabe heranzugehen sei, nicht einigen. Als "Gewissen der Menschheit" und "wichtigste Denkfabrik der Welt" (S. 293) hat man den CoR inzwischen bezeichnet, dessen spannende, von beachtenswerten Erfolgen wie von Rückschlägen gekennzeichnete Geschichte von Jürgen Streich engagiert und facettenreich erzählt wird. Damit liegt, übrigens zum ersten Mal, nicht nur eine allgemein zugängliche Chronologie dieser "Institution", sondern zugleich auch eine kritische Würdigung vor die - bereichert durch zeitgeschichtliche Bezüge - Anliegen, Erfolge des CoR ebenso benennt wie Erfordernisse der Veränderung. Im ersten Abschnitt geht Streich auf die "Philosophie" des CoR ein, porträtiert die beiden Gründungsväter und breitet die von Hochs und Tiefs geprägte Entwicklung des CoR aus, dessen hauptverantwortlich von Dennis Meadows verfaßter erster Bericht "Grenzen des Wachstums" (1972) weltberühmt wurde. Die sich anschließenden ”Innenansichten" geben Einblick in Struktur und Organisation des ”enkzirkels", der per Statut die Zahl von 100 Mitgliedern nicht überschreiten darf und gegenwärtig aus herausragenden Persönlichkeiten, doch fast ausschließlich - so ein immer wieder vernommener Kritikpunkt - älteren Herrn besteht, die in Auswahl auch vorgestellt werden. Es folgen Passagen über Ergebnisse und Wirkungen der Arbeit des CoR (eine über lange Zeit nicht eindeutige Position hinsichtlich der Nutzung der Atomenergie und mangelnde Öffentlichkeitsarbeit werden u.a. thematisiert), Urteile über und Wünsche an den CoR (u.a.v. J. v. Uexküll und M. Griefahn) sowie eine kompakte Darstellung der wichtigsten Berichte an den "Club": Zu ihnen zählen zuletzt W. v. Dierens "Mit der Natur rechnen" (1995), Y. Drors "Ist die Erde noch regierbar" (1995), "Faktor vier" (v. Weizsäcker u.a., 1995), B. Schneiders "Vom Krieg gegen Hütten zum Frieden mit deren Bewohnern" (1996) und "Die Grenzen der Gemeinschaft" (Bertelsmann-Stiftung, 1997). Mit dem in Vorbereitung befindlichen Bericht "Das Beschäftigungs-Dilemma" signalisiert der CoR, daß er nach wie vor die drängendsten Fragen der Zeit aufgreift, fundierte Antworten erarbeitet und immer wieder auch konkrete Vorschläge zur Minderung der "Weltproblematik" macht. Als "Katalysator des Lernens" freilich wird sich der CoR V.a. dann erweisen, wenn er auch in eigener Sache die Zeichen der Zeit versteht und sich den wichtigsten Stimmen der Zukunft - den Frauen und der Jugend - bereitwillig öffnet. W Sp.

Streich, Jürgen: 30 Jahre Club of Rome. Anspruch, Kritik, Zukunft. Basel (u.a.): Birkhäuser. 1997. 311 S.