“Risikoforschung” beschäftigt sich mit den möglichen Gefahrenfolgen neuer Technologien. Nun geht es aber nicht nur um eine “objektive” Einschätzung von Risiken, sondern auch um deren öffentliche Debatte und Wahrnehmung, also um “Risikokommunikation”. Sie ist Thema dieses Buches.

Der Autor - er lehrt an der Hochschule für Politik in München und ist Mitglied der Gerling-Akademie für Risikoforschung in Zürich - beschreibt in sieben Kapiteln Aspekte der Risikokommunikation, die er - nach Eigendefintion - mit sieben “Botschaften”, vornehmlich adressiert an “betroffene” Unternehmen, beschließt.

Für Obermeier ist “Risiko” - dies die erste Botschaft - mehr als die Möglichkeit von Schäden, sondern ein “Konzept unserer Wagnis- und Grenzüberschreitungskultur”, und damit eine “gewaltige, soziale Innovation” (S. 9). Zweite Botschaft: “Sachaussagen” sollen zwar die Basis jeder Risikokommunikation sein, sie sind jedoch nur eine Dimension unter mehreren. Und die Risikoforschung ist selbst mit Objektivitätsproblemen behaftet, wie etwa Analogieschlüsse aus Tierversuchen auf den Menschen zeigten. Experten und Gutachter würden ihre Grenzen häufig überschreiten und der Sache damit Schaden: “Auch Experten neigen zu Fundamentalismus” (S. 62) Sie sollten sich jedoch - dies die dritte Botschaft - besser in “Selbstbescheidung” üben.

Jede gekonnte Risikokommunikation müßte, viertens, “die Logik des Laien kennen, seine Art, Risiken wahrzunehmen und einzuschätzen”. (S. 9) Dies führt Obermeier, fünftens, zur Rolle der Medien und deren Selektions- und Aufmerksamkeitsregeln, die der Forscher u. a. an der Kampagnenarbeit von Greenpeace deutlich macht. Am Beispiel der Störfälle des Chemiekonzerns Hoechst zeigt er, sechstens, wie “Krisenkommunikation” eskalierend oder deeaskalierend betrieben werden kann (in der Spannbreite vom “Sachkonflikt” bis zum “Fundamentalkonflikt”, S. 164). Das siebente Kapitel ist schließlich unterschiedlichen Legitimationsstrategien von Unternehmen gewidmet (u. a. demonstriert am Milchpulverskandal der Firma Nestlé), wobei Obermeier insbesondere dem “Lebenszyklus von Themen” sowie dem “Issue-Management” (der richtigen Beeinflussung von Krisenthemen durch das Unternehmen) große Bedeutung zumißt. (S. Grafik S. 191). Vor allem empfiehlt der Experte Offenheit: “Wer mit Informationen mauert, wird mit selbstgebastelten, schlampigen Recherchen konfrontiert. Wer keine Bilder liefert, bekommt die Katastrophenbilder aus dem Archiv. Wer nicht vor die Kamera treten will, sieht daraufhin einen Gegenexperten.” (S. 107)

Das Buch ist voll von Ratschlägen für Unternehmen, die unter ethischen oder ökologischen Legitimationsdruck geraten, es enthält aber auch durchaus Interessantes für die nicht immer gut wegkommenden Umweltinitiativen.


H.H.

Im selben Verlag erschienen ist der Band von

  • Mathias Schüz: Werte - Risiko - Verantwortung. Dimensionen des Value Managements. München: Gerling-Akad.-Verl., 1999. 213 S., DM / sFr 39,- / öS 285,-
  • Näheres über die Gerling-Akademie für Risikoforschung unter: www.gerling-academy-press.com

Obermeier, Otto-Peter: Die Kunst der Risikokommunikation. Über Risiko, Kommunikation und Themenmanagement. München: Gerling-Akad.-Verl., 1999. 211 S., DM / sFr 39,- / öS 285,-