Die Lektüre beginnt mit einer Enttäuschung. Die angepriesene Internetadresse mit einer Zusammenfassung der virtuellen Konferenz zum Thema, steht nicht mehr zur Verfügung. Nun gut, die Formen des „Virtuellen“ sind eben schnellebig. Begnügen wir uns also mit der „hard copy“ und kehren der Virtualität des Netzes den Rücken, obwohl uns das „Virtuelle“ weiter beschäftigen wird. Die Herausgeber Andreas Brill und Michael de Vries konstatieren zunächst verwundert das Fehlen einer Theorie der Virtuellen Wirtschaft in einer Zeit, in der angenommen wird, daß virtuelle Welten die gesellschaftliche Zukunft prägen bzw. großen Einfluß haben werden. Nicht nur das, die Virtuelle Wirtschaft soll sogar die klassische Industriegesellschaft ablösen. Dabei lassen sich nahezu alle Kategorien ökonomischer Analyse unter dem Aspekt der Virtualität betrachten.

So steht z. B. die „Virtualisierung von Unternehmen“ für neue Möglichkeiten betrieblicher Organisation und des gesellschaftlichen Umgangs mit Arbeit. Karl Linnenkohl beobachtet die zunehmende Auflösung des herkömmlichen Betriebsbegriffes sowie eine Erosion des Arbeitnehmerbegriffs (v. a. im Bereich der Telearbeit), was seiner Ansicht nach die allmähliche Abänderung und Auflösung des bisherigen Arbeitnehmerstatus zur Folge hat.

Ein weiteres Thema ist die Existenz des „Cybermoney“ und entsprechende Fragen nach der Datensicherheit. Bereits seit 1995 stellen amerikanische Banken digitales Geld für den Online-Einkauf im Internet zur Verfügung. 1997 wurde in der Schweiz der elektronische Geldbeutel lanciert.

Das Themenfeld Virtuelle Produkte steht exemplarisch für Problemstellungen, die kommunikative, betriebswirtschaftliche und gesamtwirtschaftliche Aspekte (neue Märkte) betreffen. Alle Autoren dieses Abschnitts sehen Virtuelle Produkte in Zusammenhang mit der Entwicklung zu einer wie immer gearteten „Informationsgesellschaft“, wobei damit v. a. die wachsende Bedeutung der ökonomischen Produktion von Informationen gemeint ist. Als Rohstoff der Information stellt der Medienexperte Florian Rötzer den Begriff „Aufmerksamkeit“ in den Mittelpunkt seiner Überlegungen.

Abschließend reflektieren die Herausgeber Möglichkeiten und Grenzen der Virtuellen Konferenz in Theorie und Praxis. Sie kommen zu dem Schluß, daß gerade die Verheißung von geringeren Kosten und geringerem Aufwand zum Problem der Kommunikation werden kann, da viele Selbstverständlichkeiten von Präsenzkonferenzen nicht gegeben sind und entsprechend arbeitsintensive Vorkehrungen notwendig machen. Die Beobachtung der Konferenz im World Wide Web als Virtuelle Kommunikationsform bleibt den Lesern, wie eingangs erwähnt, vorenthalten.

AA

Virtuelle Wirtschaft. Virtuelle Unternehmen, Virtuelle Produkte, Virtuelles Geld und Virtuelle Kommunikation. Hrsg. v. Andreas Brill ... Opladen: Westdt. Verl., 1998. 377 S., DM 58,- / sFr 52,50 / öS 423,-