Der Autor - er ist Leiter des herausgebenden Institutes - schildert zunächst die Umbruchssituation, in der sich Wirtschaft und Gesellschaft derzeit befinden, und in der Folge überblicksartig die notwendigen Paradigmenwechsel (“Von der Arbeit zur Tätigkeit”, “Vom Terror der Ökonomie zur Wirtschaft im Dienste des Menschen”, “Von der Geld- zur Zeitökonomie”) sowie die unterschiedlichen, dazugehörigen neuen Denk- und Lösungsansätze vom Ausbau des Dritten Sektor über Bürgerarbeit und die Aufwertung der Eigenarbeit  (“Triade” von Erwerbs-, Eigen- und Gemeinwesenarbeit) bis hin zum Konzept der “Tätigkeitsgesellschaft” der Katholischen Arbeiternehmer-Bewegung Westdeutschlands.

Herzstück des auch in elektronischer Aufbereitung verfügbaren Buches (CD-ROM) sind die vom Autor so genannten “Dekagramme” der Tätigkeiten, Einkommen, Kompetenzen und Zeiten. Sikora beschreibt darin zehn Arten von Tätigkeiten (von der Erwerbs- über die Eigen- und Familien- bis hin zur Bildungs-, Vermögens- und Kulturtätigkeit), zehn Arten von Einkünften (vom Erwerbseinkommen über das Vermögenseinkommen bis zum indirekten Einkommen = Eigentätigkeit, aber auch Bildungsgutscheine, Steuerpunkte für Ehrenamtliche Arbeit oder Tauschkreiswährungen werden hier ausgeführt), zehn Arten von Zeiten (von der Erwerbs- über die Familien- und Eigen- bis hin zur Bildungs-, Kultur und Sozial-Jahr-Zeit) sowie zehn Arten von Kompetenzen, die in der pluralen Tätigkeitsgesellschaft gefördert und gefordert werden. Er schildert auch zehn beispielhafte “neue Berufe”, die diesen Tätigkeiten zuzuordnen sind (etwa Ethik-Anlagen-Manager/in im Bereich Vermögenstätigkeit, Kriseninterventionist/in im Bereich Familientätigkeit usw.) und endet schließlich - vielleicht in Anspielung auf die zehn Gebote - mit zehn Empfehlungen wie “Initiieren Sie kleine soziale Netze”, “Praktizieren Sie soziale Fairness”, “Setzen Sie sich für politische Reformen ein” oder “Entdecken Sie die Muße neu”.

Das hier skizzierte Bild einer Tätigkeitsgesellschaft könnte nicht nur helfen, die Arbeitsmarkt- und Ökokrise zu entschärfen, sondern auch eine vielfältigere und befriedigendere Lebenspraxis eröffnen. Da Geld aber auch zukünftig ein wichtiges Teilhabe und Freiheit schaffendes Medium sein wird, muß die Tätigkeitsgesellschaft einhergehen mit einer fairen Verteilung aller Arten von Arbeit und Einkommen - zwischen denen, die Jobs haben und den Arbeitslosen ebenso wie zwischen den Geschlechtern.

Die begleitend zum Buch herausgegebene CD--ROM ist zu beziehen beim Katholisch-Sozialen-Institut der Erzdiözese Köln


H.H.

Sikora, Joachim: Vision einer Tätigkeitsgesellschaft. Neue Tätigkeits- und Lebensmodelle im 3. Jahrtausend. Bonn: Katholisch-Soziales Inst., 1999. 141 S.