Um das Jahr 2025 dürften 85 Prozent der Einwohnerinnen des industriellen Nordens in Städten wohnen, in den Ländern des Südens werden es mehr als 55 Prozent sein. "Damit werden zum ersten Mal in der Geschichte der Menschheit deutlich mehr Menschen nicht mehr auf dem Land, sondern in urbanen Zonen leben." (S. 9). Beträchtlich ist der Boom der sogenannten ”Megastädte". welche die Metropolen der "alten Welt" geradezu als klein erscheinen lassen. Gegen Ende unseres Jahrhunderts wird es, um weitere UN-Prognosen zu nennen, weltweit 25 solcher ”Megastädte" mit mehr als acht Millionen Einwohnern geben, 19 davon werden sich in Entwicklungsländern befinden, zwölf allein in Asien. Elf Porträts dieser rapide wachsenden Großstädte des Südens enthält dieser Band: Bombay, Delhi und Bangalore werden als indische Metropolen, Bangkok und Jakarta als Zentren der ostasiatischen Wachstumsregion beschrieben, und die Küstenstadt Shanghai als chinesischer ”Hoffnungsträger der Modernisierung von Wirtschaft, Gesellschaft und Kultur" (S. 178).

Die nigerianisehe Hauptstadt Lagos, welche nach Hochrechnungen im Jahr 2015 die 25-Millionen-Marke erreichen soll, sowie Nairobi, die Hauptstadt Kenias (ihr wird ein rascher Aufstieg zur Weltstadt vorhergesagt), stehen als Beispiele für den afrikanischen, zwischen Welt(markt)integration und Abschottung oszillierenden Kontinent die 8-Millionen-Stadt Teheran hingegen für eine infrastrukturell reiche Metropole der islamischen Welt. Sao Paulo und Mexico-City werden schließlich als urbane Wachstumszonen Latein- und Zentralamerikas vorgestellt. Die Stadtporträts enthalten nicht nur Analysen zur ökonomischen und demographischen Entwicklung, sondern erfassen auch soziale, kulturelle und ökologische Dimensionen. Erörtert werden die Vernetzung in die Weltgesellschaft im Sinne einer ”neuen Geographie des Kapitalismus" (S. 10) ebenso wie die vielfältigen Verzahnungen der Zentren mit dem Umland (Migration, Landflucht), die Veränderung der Lebensstile der urbanen Oberschichten im Sinne einer ”Globalisierung der Kulturmuster" ebenso wie die soziale Dynamik der Selbstorganisation in den Armenvierteln. Vor Klischees in der einen wie der anderen Richtung wird gewarnt, vielmehr machen die Beiträge - wie Peter Feldbauer und Christof Parnreiter einleitend betonen - deutlich, "daß in den riesigen Städten ein ungeheures Potential an Bedrohung, aber auch an Hoffnung enthalten ist". (S. 18)

H. H.


Im Mega-cities. Die Metropolen des Südens zwischen Globalisierung und Fragmentierung. Hrsg. v. Peter Feldbauer Frankfurt/M. (u.a.): Brandes & Apsel (u. a.), 1997. 302 S. (Historische Sozialkunde; 12) DM 39,80/ sFr 38,80/ öS 295,-