Dem Politologen Ulrich Menzel geht es um die Frage, ob die großen Themen wie "Zivilisierung der Welt", "Wirtschaftswachstum zum Zwecke der Wohlstandssteigerung" und "soziale Sicherheit für alle" nicht an eine Grenze gestoßen sind. Auch eine neue Weltordnung ist nicht, wie wir gesehen haben, im Hauruck-Verfahren herzustellen. Um so mehr sollte heute darüber nachgedacht werden, wie das Zusammenleben der Menschen in Zukunft gestalten werden könnte. Menzel favorisiert zur Bewältigung der anstehenden Probleme die Idee einer demokratischen WeItinnenpolitik. Seinen diesbezüglichen Vorstellungen unterbreitet er nicht ohne einen ideengeschichtlichen Rückblick, der zeigen soll, daß die aktuelle Debatte Theoretiker schon seit Jahrhunderten beschäftigt hat. Seine Überlegungen münden schließlich in der Beschreibung von Hindernissen und Chancen auf dem Weg in eine Weltbürgergesellschaft. "in der alle Probleme auf vernünftige Art und Weise lösbar sind". Bei der Frage nach der Umsetzung einer zukunftsfähigen Politik schwebt dem Autor ein einheitlicher Katalog von Normen und Werten vor, wie sie etwa in Form der "Charta der Vereinten Nationen" und der "Allgemeinen Deklaration der Menschenrechte" vorliegen. Diese müßten, um modernen Ansprüchen gerecht zu werden, lediglich von immanenten Widersprüchen bereinigt werden.

Menzel macht deutlich, daß es zu den Vereinten Nationen keine normativ vertretbare und auch keine praktikable Alternative gibt. Er fordert jedoch umfassendere Kompetenzen, mehr Ressourcen sowie eine Reorganisation ihrer Entscheidungsgremien, um nicht von der amerikanischen Innenpolitik und dem Kalkül des Kongresses abhängig zu sein. "Insbesondere muß das Vetorecht der ständigen Mitglieder im Sicherheitsrat aufgehoben werden." (S. 260f) Neue Gremien wie Umwelt-, Flüchtlings-, Katastrophen- und Menschenrechtsrat sowie mehr Befugnisse für den Wirtschafts- und Sozialrat sind anzustreben. Um die Vereinten Nationen allerdings nicht zu einer Weltregierung mutieren zu lassen, fordert der Autor die Anwendung des Subsidiaritätsprinzips. Weiter schlägt Menzel die Installierung eines Monitoring-Systems aus Wahlbeobachtern und Menschenrechtsbeauftragten vor, die Katastrophen und Konflikte frühzeitig erkennen und Vorschläge zur Bearbeitung machen, denn es gelte "eine Art internationales Gewaltmonopol und dessen demokratische Kontrolle herzustellen" S. 262).

A. A.


Menzel,  Ulrich: Globalisierung versus Fragmentierung. Frankfurt/M. Suhrkamp, 1998.261 S. (ed .suhrkamp; 2022) DM 19,80/ sFr 19,- / öS 145,-