Die Weichen in der EG sind auf "Markt, Masse und Macht" gestellt. Hinter dem Projekt der "Vereinigten Staaten von Europa" verbirgt sich der Größenwahn von Wirtschaftsmanagern und Politikern. Mit dem gemeinsamen Binnenmarkt wird politisch-administrativ nachvollzogen, was in der Wirtschaft längst passiert: Konzentration der Macht auf immer weniger Großkonzerne. Verlierer sind die Bürger, die Umwelt und die Demokratie. Die Entscheidungsfindung wird zentralisiert und immunisiert. Politik verliert noch mehr an Gestaltungskraft und verkommt zum Handlanger im Wirtschaftskrieg der Großen, der sich zwischen den USA, Japan und der EG abspielen wird. So etwa lässt sich das Szenario in der Nachfolge Orwells zusammenfassen, das der österreichische Historiker und Publizist Wolfgang Hingst entwirft. Mit zahlreichen Daten und Zitaten sowie pointenreichen Schlussfolgerungen untermauert der Autor seine Warnungen vor dem „Europa der Großkonzerne", der "Minus-Macht im Umweltschutz", dem "zentralistischen Moloch" des "sozialen Ausverkaufs" und des "Krieges gegen die Bauern". Er erteilt allen Großsystemen eine Absage und belegt deren unausweichlichen Untergang mit historischen und sozialpsychologischen Befunden. Die EG-Großmacht als "Revanche Europas für seine totale Entmachtung 1945" sei daher auch politisch nicht imstande, Frieden zu gewährleisten. Als Befürworter "kleiner Einheiten" im Sinne Leopold Kohrs, aber in klarer Abgrenzung vom neuen Ethnonationalismus in Europa, empfiehlt Hingst den neutralen Ländern Österreich und Schweiz sowie den Skandinaviern, ihren eigenen, souveränen Weg zu gehen und sich nicht der EG anzuschließen. Ein kämpferisches Buch, das ausspricht, was in der feinen Diplomatensprache wohl unter dem Teppich bleibt, das Lust macht, noch mehr hinter die Kulissen der EG-Politik zu blicken und letztlich auf die Frage hinausläuft, in welcher Gesellschaft mit welcher Wirtschaft wir leben wollen, nicht nur, in welchem Europa.  Hans Holzinger

Hingst, Wolfgang: 10 Thesen gegen EG-Großeuropa. Ein Essay wider den Größenwahn. Wien (u.a.): Orac-Verl., 1992. 192 S., DM 29,80 / sFr 28,80 / öS 233