Nicht zuletzt sollen diese „Zusammenfassungen für politische EntscheidungsträgerInnen“ den Delegierten der Klimakonferenz auf Bali als Basis für Gespräche und Entscheidungen dienen. Die Anzeichen irreversibler Eingriffe in den globalen Klimahaushalt werden kaum mehr in Frage gestellt. Die ExpertInnen des 4. Sachstandsbericht des Intergovernmental Panel of Climate Change (Download: www.ipcc.ch) haben ihre Prognosen nach oben korrigiert und gehen nun von einer möglichen globalen Erwärmung zwischen 2,4 und 6,4 Grad bis 2100 („worst case“) aus.

 

UN-Generalsekretär Ban Ki Moon rief die politischen Führer der Welt eindringlich auf, die Gefahren des Klimawandels schnellstmöglich und mit aller Entschiedenheit zu bekämpfen: „Es gibt keine Zeit mehr zu verschwenden. Die Forscher haben klar und einstimmig gesprochen.“ Im Jahr 2012 läuft das Kyoto-Protokoll aus, doch neue Grenzwerte zur Eindämmung der weltweiten Treibhausgas-Emissionen sind in Bali nicht zu erwarten. Frühestens 2009 soll eine neue Vereinbarung unterschriftsreif sein. Es gehe um eine so genannte Roadmap für ein künftiges Abkommen, sagte der Chef der UN-Klimakonvention, Yvo de Boer, bei der Eröffnung der Konferenz, also lediglich um einen Wegweiser für weitere Verhandlungen.

 

Mit Jänner 2008 beginnt die fünfjährige Erfüllungsperiode des Kyoto-Protokolls zur Reduktion von Treibhausgasen. Deutschland hat sich darin verpflichtet, den Ausstoß um 21 Prozent, Österreich um 13 Prozent gegenüber dem Stand von 1990 zu reduzieren.

 

In einem Klimaschutz-Ranking der Umweltorganisation Germanwatch, das die Emissionsentwicklung und Klimapolitik der acht Industrie- und fünf Schwellenländer unter die Lupe nimmt, belegt Deutschland einen Spitzenplatz. Die USA rangieren – wen wundert es – an letzter Position. Zusammen sind die acht wichtigsten Industrieländer plus Mexiko, Brasilien, Indien, Südafrika und China für 73 Prozent des weltweiten C02-Ausstoßes verantwortlich. Der ebenfalls von Germanwatch erstellte "Klima-Risiko-Index", der die Gefährdung der Staaten errechnet, zeigt, dass weniger entwickelte Länder unter Stürmen, Überschwemmungen und Wetterextremen häufig sehr viel stärker leiden als die Industrieländer. Meistbetroffene Länder im Jahr 2006, so die letztverfügbaren Zahlen, waren die Philippinen, Nordkorea und Indonesien. Im Durchschnitt der letzten zehn Jahre haben Honduras, Nicaragua und Bangladesch die größten Auswirkungen erfahren. Deutschland belegt Rang 17, mit 56 Todesopfern und Schäden von ca. zwei Milliarden US-Dollar. Bezogen auf die letzten zehn Jahre (1997-2006) belegt Deutschland Rang 10. (www.germanwatch.org).

 

Ob Deutschland sein Reduktionsziel für die Zielperiode 2008-2012 tatsächlich erreicht, wird u. a. von den Beschlüssen der Bundesregierung über weitere Klimaschutzmaßnahmen abhängen. Bisher liegt man mit 1,4 Prozent über dem Plansoll, was aber vorwiegend Sondereffekten wie dem Anheben der Mehrwertsteuer, dem warmen Winter 2006/2007 und den hohen Rohölpreisen zugeschrieben wird.

 

Österreich hingegen liegt derzeit mit 30 Prozent hinter den Zielvorstellungen zurück. Um das Kyoto-Ziel zu erreichen, müsste man wohl den Verkehr lahmlegen (er ist für 30 Prozent der CO2-Emissionen verantwortlich), die „Industrie zusperren“ oder sehr teure Emissionszertifikate einkaufen. Der Ökonom Stefan Schleicher, Experte in Klimafragen und wissenschaftlicher Beirat im Klimaschutzfonds, hat errechnet, dass das Nichterreichen des Kyoto-Zieles Österreich geschätzte 1,5 Milliarden € kosten würde.

 

Wer sich näher über Details der Debatte informieren will, findet im Internet  bzw. in Zeitschriften unzählige Beiträge (s. Kasten S. 3). Allein Google weist zum Thema 4670 Treffer aus.

 

Einige Rezensionen zum Thema mit mehr oder weniger radikalen Vorschlägen haben wir für Sie im Folgenden zusammengestellt. Gemeinsam ist ihnen der Appell zu schnellem Handeln auf allen Ebenen. A. A.

 

Klimaänderung 2007. Zusammenfassungen für politische Entscheidungsträger. Hrsg. v. Intergovernmental Panel on Climate Change IPCC. Bern (u. a.), 2007. 89 S.,

 

ISBN 978-3-907630-28-0