Dreiviertel der 9000 weltweit bekannten Vogelarten sind heute vom Aussterben bedroht, der Landwirtschaft gehen pro Jahr 24 Mrd. Tonnen fruchtbarer Boden verloren, und "generell", so der Leiter des Instituts, "schreitet die Zerstörung der Erde fort". Einmal mehr Anlaß zu Katerstimmung, gewiß, aber keinesfalls zur Resignation. Denn das Worldwatch Institute beschränkt sich im Bericht "Zur Lage der Welt" nicht darauf, mit aller Deutlichkeit auf die Wunden des Planeten hinzuweisen; stets werden auch konkret machbare Schritte der Therapie vermittelt. Den Reigen der acht Beiträge (sie sind zuvor überwiegend auf Englisch als Worldwatch Papers erschienen), eröffnet Lester R. Brown mit einem Blick auf die Bedingungen eines nachhaltig verträglichen Weltwirtschaftssystems (Klirna-. Artenschutz, Wiederaufforstung, Bodenstabilisierung, Bevölkerungskontrolle). Mit der Notwendigkeit, die Kluft zwischen den Geschlechtern vor allem in den Entwicklungsländern zu schließen, den Frauen mehr Recht auf Eigentum und Mitbestimmung zu sichern, indem zentrale Kategorien wie Produktivität, Wert und Arbeit neu definiert werden, beschäftigt sich Jodi L. Jacobson. Alan Th. Durning widmet seine Aufmerksamkeit der Unterdrückung der indigenen Völker in aller Welt ~ mit einer Zahl von gegenwärtig nur 625 Mio. stellen sie 5/6 aller menschlichen Kulturen ~ und kommt auf die bedeutende Rolle zu sprechen, die sie als Bewahrer der Umwelt auch in Zukunft spielen könnten. Perspektiven einer alternativen Energiepolitik für die Länder der Dritten Welt (N. Lenssen) und ein Plädoyer für die Wiederbelebung der Eisenbahn (in den USA 18mal sicherer als das Auto, klare Vorteile für die Entwicklung menschengerechter Städte) schließen sich an. Mit der Feststellung, daß "die menschliche Gesellschaft zwar daran gewohnt sei, Krieg zu führen, bislang aber nicht die Kunst erlernt hat, Frieden zu schaffen", fordert M. Renner in einem weiteren Beitrag dazu auf, den Schritt von der Rüstungskontrolle zur totalen Abrüstung (des Atompotentials) zu wagen; mit dem verstärkten UN-Engagement an den Konfliktherden der Welt müßten zudem innere Reformen dieser WeItorganisation dringend folgen. Daß der Welthandel in Zukunft ausschließlich der Verteilung umweltverträglicher Technologien und Produkte zu dienen habe und nicht weiter die ökologische Zukunft der Erde aufs Spiel setzen dürfe, ist die gut untermauerte These und   Vision eines von Hilary F. French beigesteuerten Kapitels. Der abschließende Text greift dieses Thema auf und ortet Ansätze einer "grünen" industriellen Revolution in aller Welt.

Zur Lage der Welt 1993. Daten für das Überleben unseres Planeten. Lester R. Brown ... (Mitarb.). Hrsg. v. Worldwatch Institute. Frankfurt/M.: S. Fischer, 1993. DM 19,90 I sFr 16,90/ ÖS 155,20