Der vorliegende zweite Band (Bd. 1 vgl. PZ 3/94* 368) zu Fragen des Weltflüchtlingsproblems beschäftigt sich in erster Linie mit der "Suche nach Lösungen", und das aus gutem Grund: Die Zahl von weltweit fast 50 Millionen Flüchtlingen wächst täglich. Grund genug, die Ursachen der gegenwärtigen Flüchtlingskrise zu untersuchen und die vorherrschenden traditionellen Lösungsvorschläge kritisch zu hinterfragen. Der Schwerpunkt liegt dabei auf der Analyse der Bedingungen, die Menschen dazu bringen, ihre Herkunftsländer zu verlassen und jenseits der Grenzen Schutz zu suchen. Lösungen werden vielfach auch dadurch erschwert, daß immer weniger Länder bereit sind, an der Institution des Asyls festzuhalten. Viele Staaten ergreifen stattdessen Maßnahmen, die Einreise von Flüchtlingen zu erschweren oder gar zu verhindern. Die in Deutschland am 1.7.1993 in Kraft getretene Verfassungsänderung (Drittstaatenregelung) erfährt im Report eine dementsprechend eingehende "Würdigung". Die Autoren plädieren nachdrücklich dafür, das Recht auf Asyl nicht weiter einzuschränken, und fordern gleichzeitig größere Anstrengungen bei der Bekämpfung der Ursachen von Flüchtlingsproblemen am Ort des Entstehens. Denn nach wie vor werden von den westlichen Industriestaaten bis zu zehn Milliarden Dollar pro Jahr für die Betreuung Asylsuchender aufgewendet, während die Entwicklungshilfeetats völlig unzulänglich bemessen sind.   Aufgrund der jüngeren Entwicklung läßt sich die Tendenz feststellen, nicht mehr auf der Flüchtlingsdefinition aus dem Jahr 1991 zu bestehen, sondern allgemeiner von "Vertriebenen, entwurzelten Bevölkerungen und unfreiwilligen Migranten" zu sprechen, da Staaten und ihre Bürger mit einer Vielzahl von Problemen konfrontiert sind. Zu deren Linderung wird es gemeinsamer, international abgestimmter Anstrengungen bedürfen, die die Einhaltung der Menschenrechte sichern, wirksame friedenserhaltende Operationen etablieren und nachhaltige Entwicklung fördern. Verstärktes Augenmerk wird auch das ist natürlich keine neue Einsicht - auf die Konfliktverhütung zu legen sein, die ganz wesentlich von den Betroffenen selbst zu leisten ist. Im Anhang finden sich aktuelle Zahlen und Daten sowie ein UNHCR-Kurzporträt. A. A.

 

Zur Lage der Flüchtlinge in der Welt. UNHCR-Report 1995/96. Hrsg. v. d. Hohen Flüchtlingskommissarin d. Vereinten Nationen. Bann: Dietz, 1995.· 288 S.