Das sich weiter ausbreitende Grauen und Leid unter den Flüchtlingen und Migranten in einem Buch einigermaßen umfassend darzustellen, scheint unmöglich zu sein, daß dies den Autorinnen und Autoren im vorliegenden Fall trotz der Komplexität der Thematik gelungen ist. muß als respektable Leistung gewürdigt werden. Die traditionelle Kategorisierung der Flüchtlinge in Opfer von Kriegen und Menschenrechtsverletzungen wurde um aktuelle Sparten wie "zivile" bewaffnete Konflikte, gezielte Gewalt gegen Frauen und Kinder, soziale Unterdrückung   oder Zerstörung der wirtschaftlichen und ökologischen Lebensgrundlagen erweitert. Die UN-Flüchtlingskommissarin Sadako Ogata stellt sich im Geleitwort diesem Dilemma, daß eigentlich allen Bedürftigen Schutz gewährt werden müßte - und das auch angesichts immer restriktiverer Asylgesetze vor allem in den reichen Aufnahmeländern, die sie entschieden kritisiert. Die Finanzkrise der UNO verringert zudem die personellen und technischen Ressourcen für Hilfsprojekte. Dazu kommt noch, daß im Unterschied zu politischen und ethnischen Auseinandersetzungen, denen mit einem speziellen Konfliktmanagement begegnet werden kann, ganze Regionen z. B. durch Landminen oder durch die Zerstörung des Ökosystems auf Jahrzehnte unbewohnbar werden. Doch auch eine verfehlte Wirtschafts- und Sozialpolitik von Regierungen und Staatengemeinschaften muß als Mitverursacher benannt werden. Diese und eine Menge anderer Fakten werden in 13 geographisch gegliederten Abschnitten sowohl in ihrer historischen Entwicklung als auch hinsichtlich des aktuellen Stands der Dinge (1996) und in Bezug auf die wahrscheinliche Zukunft illustriert durch Tabellen und Diagramme - skizziert. Angesichts der Dichte der Informationen wird man dieses Buch eher als Nachschlagewerk - leider ohne Register - denn als schnell zu lesende Einführung nützen. M. Rei.

Der globale Marsch. Flucht und Migration als Weltproblem. Hrsg. v. Peter J. Opitz. München: Beck. 1997. 345 S. (BsR; 1210) DM / sFr 24,- / öS 175