Mit kritischen Akzenten gegenüber den bis zu den jüngsten Wahlen die lokalen Geschicke der Spree-Metropole bestimmenden Wirtschaftskonzepten versuchen die in diesem Band zu Wort kommenden Autoren, Ansätze einer alternativen urbanen Kultur zu formulieren. Im einleitenden Abschnitt werden strukturbedingte Problemfelder sowie überregional gültige Defizite herkömmlicher Industrie- und Wirtschaftspolitik herausgearbeitet. Mängel der Berlinförderung, die Abwanderung von Konzernzentralen und Forschungsabteilungen, der "dramatische Verlust" von Arbeitskräften im Fertigungsbereich sind - so das Resümee der Herausgeberdurch unspezifische Innovationsförderung und einseitige High-Tech-Orientierung nicht wettzumachen. Im zweiten Abschnitt kommen Peter Glotz (SPD), Dieter Fläming (CDU) und Peter Sellin (AL) zu Wort, dessen Forderungskatalog einer grün-alternativen Politik bereits Perspektiven des letzten Abschnitts anschneidet. Nach einer (bis ins Jahr 2012 vorausblickenden) Analyse der Arbeitsmarktsituation in Berlin plädiert J. Kunze für eine mutige Nutzung politischer Handlungsspielräume, die stärker als bisher durch konkrete Leitbilder mit menschlichem Zuschnitt geprägt sein müßten. Vorschläge zur Überwindung des Gegensatzes von Ökonomie und Ökologie bis zur Jahrtausendwende unterbreiten H. Fischer und R. Knigge. Gegensätzlich wird die Rolle Berlins als Forschungs- und Wi1ssenschaftszentrum gesehen: Während R. Kreibich die Auffassung vertritt, daß innovative Technikgestaltung und -folgenabschätzung im kultur- und strukturpolitische günstigen Klima Berlins bestens gedeihen könnten, konstatiert C. Koch eher eine Atmosphäre intellektueller Resignation. Konkrete Anregungen zu einem "Zentrum für soziale Erfindungen" in welchem unabhängig von profitorientierten Überlegungen u. a. über Möglichkeiten einer anderen "Technik nachgedacht werden könnte, und ein abschließender Blick auf die Modernisierungspolitik anderer deutscher Bundesländer schließen den Band r  ab.  Was hier noch aus oppositioneller Perspektive formuliert wurde, ist nach der jüngsten politischen Entwicklung in Berlin nicht nur diskussionswürdig, sondern auch mehrheitsfähig geworden. Inwieweit sich die teils sehr detaillierten Vorstellungen eines gesellschaftlichen Wandels umsetzen lassen, bleibt abzuwarten und kritisch zu beobachten. Allzu forscher Optimismus wird sich im rauen Alltag erst zu bewähren haben. Und doch spricht vieles dafür, daß das (kulturelle) Potential vorhanden ist, um aus einer "Subventionsmetropole ein europäisches Zentrum sozialer Innovation zu gestalten, in welchem Utopien umgesetzt und exemplarisch erprobt werden könnten.

Zukunftsmetropole Berlin. Kritik und Perspektiven wirtschaftspolitischer Leitbilder. Hrsg. v. Klaus Burmeister (u.a.). Mit einem Vorwort von Robert Jungk. Berlin: Ed. Sigma, 1988. 258 S.,