Daß dieses Buch wenige Monate nach Erscheinen bereits in dritter aktualisierter Auflage verkauft wird, verwundert nicht. Wie der Bestseller „Die Globalisierungsfalle“ der Spiegel-Journalisten Hans-Peter Martin und Harald Schuhmann warnt auch diese Publikation vor dem Diktat wirtschaftlicher Zwänge, dem soziale Errungenschaften durch einen weltweit entfesselten freien Markt geopfert werden sollen. Die angeblich „schicksalhafte“ Globalisierung ist - so die Hauptthese von Gerald Boxberger und Harald Klementa - das Ergebnis einer „Politik für Großkonzerne“. Anhand zahlreicher Fakten, recherchiert u.a. in den Wirtschaftsseiten wichtiger deutscher Zeitungen, setzen die Autoren dazu an, vieles was zu gängigen Stehsätzen der aktuellen Wirtschaftsdebatte geworden ist - von der „notwendigen“ Liberalisierung und Deregulierung bis hin zum überzogenen Sozialstaat, den wir uns nicht mehr leisten könnten - als „Globalisierungslügen“ zu enttarnen. Die jungen Volkswirtschaftler der Universität Regensburg stellen aber nicht nur die sogenannte „Standortdebatte“ in Deutschland in ein anderes Licht, sie verwehren sich auch gegen die Meinung, daß die Globalisierung den Entwicklungsländern mehr Wohlstand bringe und letztlich alle zu Gewinnern mache. Sie schreiben an gegen die ideologische Verengung auf ein Entwicklungsmodell, das nur wenigen nütze und Alternativen nicht mehr denken lasse: „Medien verbreiten ‘wichtige’ Nachrichten in Form von Meinungen ‘wichtiger’ Menschen, die ’zufällig’ mit den Globalisierungsgewinner identisch sind.“ (S. 159) Sprüche wie „Leistung muß sich wieder lohnen“ kämen gerade von jenen, die von der Rendite oder den Zinsen ihres Kapitals lebten.

Als „Dreh- und Angelpunkt“ der Globalisierung sehen die Autoren die schrankenlose „Kapital- und Warenmobilität“, die zu einem weltweiten „Konkurrenz- und Rationalisierungsdruck“ führe und auch für den ökologisch katastrophalen „Transportwahnsinn“ verantwortlich sei (S. 173). Strategien der Gegensteuerung (sie füllen das letzte Drittel des Buches) machen sie daher in der Begrenzung des freien Weltmarktes und der Finanzspekulation aus. Ohne die Marktwirtschaft per se abzulehnen, plädieren die Volkswirtschaftler für ein Beharren auf nationalstaatlicher Währungs-, Wirtschafts- und Sozialpolitik (sie teilen daher auch nicht die gegenwärtige „Euro-Euphorie“). Konzepte wie die Tobinsteuer (zur Begrenzung der Spekulation), die Ökosteuer (zur Herstellung realistischer Preise), staatliche Nachfragestimulierung oder die Forcierung weiterer Arbeitszeitverkürzungen skizzieren sie als politische Instrumente der Regulierung des Globalisierungsprozesses. Doch zu diesen Reformen werde es nur kommen, wenn die Bürgerinnen und Bürger Druck auf die politischen Entscheidungsträger ausüben. Für sie ist daher dieses Buch vor allem geschrieben.

H. H.

 

Boxberger, Gerald; Klimenta, Harald: Die zehn Globalisierungslügen. Alternativen zur Allmacht des Marktes. München: dtv, 1998. 245 S., DM 16,90 / sFr 16,- / öS 123,-