Ist die 55-jährige Entwicklung der Weltbank seit Bretton-Woods einigermaßen erschöpfend und nachvollziehbar in einem Buch zu analysieren und zu dokumentieren? Der als Berater so unterschiedlicher Institutionen wie WWF, Weltbank, und UN-Umweltprogramm sowie nun als Direktor der US-Umweltorganisation Environmental Defence Fund in Washington D.C. bekannt gewordene Wissenschafter und Publizist breitet seine detailreichen Erkenntnisse und Fakten wirkungsvoll aus. Vor allem schildert er die - teilweise sehr erfolgreichen - Kampagnen von Umwelt- und Entwicklungsinitiativen in allen Kontinenten, die schließlich die Weltbank dazu zwangen, Großprojekte (wie Staudämme, Rodungen in Regenwäldern, Autobahnen usw.) zumindest zu reduzieren und vorrangig Kleinprojekte zu fördern.

Auch wenn die Evaluationsmechanismen, wie die Globale Umweltfazilität (GEF), angesichts clever agierender Wirtschaftslobbies meist zu schwerfällig und ineffizient sind, scheinen sie doch nicht ohne Wirkung zu sein. Allerdings bleibt die Sorge, daß sich diese mühsamen und langwierigen Kursänderungen zwischen Großinstitutionen wie dem Internationalen Währungsfond (IWF) mit seinen Sparzwängen und Kürzungen von Sozialstandards sowie der Welthandelsorganisation (WTO) mit ihrem Zwang zu Globalisierung und Liberalisierung des Welthandels nicht entsprechend entwickeln können. (Die Fortsetzung der MAI-Verhandlungen auf WTO-Ebene ab Dezember 1999 versprechen nichts Gutes. Die Einschätzung, die Rich in seinem aktualisierenden Schlußkapitel über den neuen, innovativen Weltbankpräsidenten James D. Wolfensohn abgibt, dessen Ziel es ist, die Weltbank in eine „Bank des Wissens und der Entwicklungseffizienz" umzugestalten, ist angesichts der inneren Widerstände nur bedingt hoffnungsvoll. Skeptische Basisexperten sind schon froh, wenn sich dieser nicht als „Wolf(ensohn) im Schafspelz" entpuppt. Für die weltweiten, vernetzten Basisbewegungen ist dieses Buch jedenfalls eine nicht zu unterschätzende Argumentations- und Aktionshilfe. M. Rei.

Rich, Bruce: Die Verpfändung der Erde. Die Weltbank, die ökologische Verarmung und die Entwicklungskrise. Stuttgart: Schmetterling, 1998. 453 S., DM / sFr 39,80 / öS 291,-