Peter Struck ist im Laufe seines Berufslebens - fast 10 Jahre Lehrer an Volks- und Realschulen, danach in der Hamburger Schulbehörde, nun ebenda Professor für Erziehungswissenschaften - wie viele andere zur Überzeugung gelangt, dass die Schule heute überfordert und daher nach Medienzitaten zum "Alptraum" für Schüler und zum „Horrorjob" für Lehrer geworden sei. Als Lösung fordert er, dass die Schule neben ihrem Unterrichtsauftrag endlich auch ihren Erziehungsauftrag als gleichwertig annehmen müsse, wofür allerdings ein anderer und anders als heute ausgebildeter Lehrertyp nötig sei. Eine solche Schule könne zur Lebensstätte für die Schüler, ihre Familien und die Nachbarschaft werden.

In Hinblick auf diese Zielvorstellung diskutiert der Autor zahlreiche Strukturen (vorwiegend aus dem norddeutschen Bildungswesen) im Einzelnen: die Wissenschaftsorientierung, Fachlehrer- vs. Klassenlehrersystem, kompensatorische und Gesamtschulkonzepte, verschiedene Lehrerkategorien und -typologien, Übertrittsregelungen, die Frage nach der optimalen Schulgröße, sozialpädagogische Anforderungen an den Lehrer, Schulautonomie, Lehrerausbildungsgänge usw. Dagegen werden u. a. Co- und Team-Teaching, Kooperationen von Schule und Elternhaus, Berichts- statt Notenzeugnisse, Individualisierung des Unterrichts, eine Stufenlehrerausbildung in ihren positiven Auswirkungen dargestellt. Die Stärke des Buchs, seine prägnante und appellative Darstellungsweise, ist zugleich auch eine Schwäche denn das Beharrungsvermögen des Bildungswesens wird kaum durch Appelle, sondern eher durch gut dokumentierte Alternativen zu überwinden sein. Trotzdem eine lesenswerte Übersicht über Problemfelder des gegenwärtigen und wesentliche Perspektiven eines künftigen Schulwesens.

W R. 

Struck, Peter: Neue Lehrer braucht das Land. Ein Plädoyer für eine zeitgemäße Schule. Darmstadt: Wiss. Buchges., 1994. 183 S. (WB-Forum 88), DM 19,80/ sFr 17,- / öS 154,-