Wirtschaft anschaulich erklären

Ausgabe: 2015 | 3

image024In „Bescheidener Vorschlag zur Lösung der Eurokrise“ hat Yanis Varoufakis, für kurze Zeit Finanzminister unter der Syriza-Regierung in Griechenland, auf Möglichkeiten einer Europäisierung der Finanz- und Wirtschaftspolitik sowie die Entschuldung der wirtschaftlich am meisten angeschlagenen europäischen Volkswirtschaften hingewiesen. In „Time for Change“ versucht er nun, allgemeinverständlich zu erklären, wie Arbeits- und Finanzmärkte funktionieren, wie Kredit, Gewinn und Reichtum zusammenhängen, warum Banken dazu neigen, zu viel Geld auszugeben, wie es zu Wirtschaftskrisen kommt und warum Staatsschulden nötig sind. Er bedient sich dabei des Kunstgriffs, dass er all diese Phänomene seiner Tochter erklärt (So wie dies Jean Ziegler in „Wie kommt der Hunger in die Welt“ mit seinem Sohn macht). Varoufakis verwendet dabei immer wieder Gleichnisse und Beispiele aus Literatur und Film, etwa die Geschichte von „Dr. Faustus“, die die Ambivalenz des Geldes erklärt, oder die griechische Tragödie des „Ödipus“, die auf dem fatalen Glauben an Weissagungen fußt (für Varoufakis ein Bildnis dafür, wie stark Wirtschaftsentwicklungen von Zukunftsprognosen abhängen). Am Science-Fiction-Film „Matrix“ erklärt der Ökonom schließlich die verblendende Wirkung von falschen Gedankengebäuden, die er der Mainstream-Ökonomie unterstellt. Die Grundaussage: Wirtschaften müsse (wieder) dem demokratischen Staat untergeordnet werden, der die Hoheit über die Geldpolitik ebenso brauche wie über die Begrenzung der Naturausbeutung. Das Buch ist zugleich als Plädoyer dafür zu lesen, nicht alle Lebensbereiche dem Marktdenken bzw. Tauschwerten unterzuordnen.

Hans Holzinger

Varoufakis, Yanis: Bescheidener Vorschlag zur Lösung der Eurokrise. Ein New Deal für Europa. München: Kunstmann , 2014. 64 S., € 4,99 [D], 50,10 [A] ISBN 978-3-95614-052-5

Varoufakis, Yanis: Time for Change. Wie ich meiner Tochter die Wirtschaft erkläre. München: Hanser, 2015. 179 S. € 17,90 [D], € 18,50 [A] ISBN 978-3-446-44524-6

„Es mag uns nicht recht sein, aber letztlich bietet der Staat die einzige Hoffnung, dass wir zivilisiert und in Sicherheit leben können.“ (Varoufakis S. 163)