Bernd Kappes (Hg.)

Würde und Rechte von Tieren

Ausgabe: 2025 | 3
Würde und Rechte von Tieren

„In Deutschland wurden im Jahr 2023 allein für die Produktion von Fleisch, Milch und Eiern etwa neunmal so viele empfindende Tiere genutzt und getötet, wie Menschen in diesem Land leben, nämlich über 745 Millionen“ (S. 11). Dies erfährt man in der Einleitung zu einem Band über Tierethik, der aus einer Tagung der Evangelischen Akademie Hofgeismar hervorgegangen ist. „Die Tierethik als philosophische Disziplin diskutiert die Frage, wie wir mit Tieren umgehen sollen“ (ebd.), so Friedrike Schmitz, selbst Philosophin und Mitbegründerin von Faba Konzepte, eine Organisation, die sich für die Transformation zu einem pflanzenbasierten Ernährungssystem einsetzt. Sie gehört zu jenen, die Nutztierhaltung grundsätzlich ablehnen, somit auch Fleisch und tierische Produkte aus artgerechter Haltung. „Fleischerzeugung ohne Leid“ (S. 30) werde zwar als Übergangslösung propagiert, verschleiere aber die Tatsache, dass wir etwa Hunde und Katzen nicht essen, Schweine aber schon. Schmitz zur Sicht des Utilitarismus: „Die übliche Tierhaltung verursacht so große Leiden für so viele Tere, dass eine Nutzen-Schaden-Abwägung klar gegen diese Praxis spricht“ (S. 21).  Andere Sichtweisen plädieren für eine Stärkung der Tierrechte in einer „abgestuften Version der Rechtsgleichheit“ (S. 63). Dabei werden Tiere nicht Menschen gleichstellt, sondern ihre Nutzung zu menschlichen Zwecken ist erlaubt, „soweit sie fair behandelt und ihr Interesse an einem guten Leben geachtet wird“ (S. 64), so Johannes Caspar von der Universität Hamburg, der für die Zukunft auch auf Laborfleisch setzt. Die im Mai 2024 vom Deutschen Bundestag beschlossene Novelle des Tierschutzgesetzes, die u. a. das Verbot der Anbindehaltung sowie eine Videoüberwachung in Schlachthöfen vorsieht, sieht Caspar als Ausdruck einer „abgestuften Rechtsgleichheit“. Die Beiträge des Bandes sprechen beide Positionierungen an, zudem werden Änderungsnotwendigkeiten auch im Bereich der Tierversuche, der Haustierzucht sowie in Bezug auf Wildtiere (z. B. Gatterjagd) angesprochen. Gefordert werden neben der 2023 eingesetzten Tierschutzbeauftragten des Bundes auch Tierschutzräte in deutschen Ministerien sowie mehr Reflexion und Engagement der Kirchen. Eine bei der Tagung verabschiedeten Resolution in 18 Punkten enthält u. a. eine Normenpräzisierung für die Nutztierhaltung, eine bessere Ausstattung der mit Tierschutz befassten Behörden mit ausreichend qualifiziertem Personal, mehr Aufklärung über die aktuelle „Tierproduktion“ (S. 189) sowie die verpflichtende Einführung von „Professuren für Non Animal Methods“ (S. 191).  Resümee: Der Band beleuchtet ein viel zu wenig beachtetes Thema auf wissenschaftlich hohem Niveau. Viel wäre schon gewonnen, wenn die Massentierhaltung verboten würde, was freilich eine Abkehr von unserer aktuellen Fleischkultur erfordern würde.