Bert Beyers, Redakteur beim norddeutschen Rundfunk, hat ein Jahr lang mit Leuten gesprochen, von denen er glaubt, daß sie mit ihren Ideen als Wissenschaftler, Ingenieure oder Konzernmanager im nächsten Jahrhundert wichtige Impulse geben können. In 34 Portraits hat der Autor ihre Vorstellungen und Visionen zusammengefaßt.

Einen zentralen Aspekt bilden Überlegungen zum Übergang von der Industrie- zur Dienstleistungsgesellschaft. Im allgemeinen sprechen die Experten davon, daß nur der Dienstleistungssektor in Zukunft noch nennenswert Arbeitsplätze schaffen wird. Der Unternehmensberater Roland Berger geht sogar soweit zu behaupten, daß die Dienstleistungsgesellschaft arbeitsintensiver wird als die Industriegesellschaft und sich dadurch das Problem der Arbeitslosigkeit in wenigen Jahren erübrigt.

Über die Rolle der Bibliothek in der Wissensgesellschaft reflektiert der Direktor der Deutschen Bibliothek in Frankfurt. Das Buch, schon öfter totgesagt, wird nach seiner Einschätzung weiterleben. Wenn aber jeder sein Wissen im Internet publizieren kann, so seine Sorge, verliert die Bibliothek ihre zentrale Funktion als systematischer Ort, wo das Wissen der Welt geordnet und wiederauffindbar abgelegt wird.

Nachhaltigkeit ist für Thilo Bode von Greenpeace heute kaum mehr als ein Ideal, zumal soziale Fragen wie Arbeit und Sicherheit ökologische Themen verdrängt haben. Auch Amory Lovins beschäftigt sich mit dem Konzept der Nachhaltigkeit durch ressourcensparende Technik. Für ihn ist das Drei-Liter-Auto längst obsolet, er arbeitet bereits am Ein-Liter-Auto und hält im übrigen die technischen Möglichkeiten der Effizienzrevolution für groß genug, um auf Selbstbeschränkungen verzichten zu können.

Im Abschnitt „Zukunft denken“ werden die Methoden der Zukunftsforschung vorgestellt. Zu Wort kommen u. a. der Bevölkerungsexperte Herwig Birg, der Klimaforscher Klaus Hasselmann, Hariolf Grupp über Delphi-Reports, Matthias Horx über Trendforschung und Rolf Kreibich über wünschbare Zukünfte.

Dem wohl wichtigsten Problem des kommenden Jahrhunderts widmet sich der Abschnitt „Die Zukunft der Arbeit“. Jeremy Rifkin prognostiziert das „Ende der Arbeit“ für das Jahr 2020. Seine Vorschläge gegen die Arbeitslosigkeit sind Arbeitszeitverkürzungen und der Ausbau des Dritten Sektors sowie eine deutliche Senkung der Lohnnebenkosten.

Schließlich geht es um die Ressourcenfrage, Gesprächspartner des Autors sind u. a. Ernst U. v. Weizsäcker, Friedrich Schmidt-Bleek, Ludwig Bölkow über Sonnenenergie und Walter Stahel mit der Maxime: nutzen statt besitzen. Nicht zuletzt steht die Zukunft der Stadt zur Diskussion, wobei Reflexionen zum Thema Megacities, Global Cities und Urbanität im Mittelpunkt stehen.

Zugegeben, für Pro Zukunft-Leser darf der Großteil der Autoren und Themen als bekannt vorausgesetzt werden. Wer allerdings den kompakten Überblick sucht, dem seien die hier präsentierten Leitvorstellungen der „Zukunftsmacher“ sehr empfohlen. A. A.

Beyers, Bert: Die Zukunftsmacher. Denker, Planer, Manager des 21. Jahrhunderts. Frankfurt/M. (u. a.): Campus-Verl., 1999. 258 S., DM 34,80 / sFr 33,80 / öS 254,-