Die Lehre vom unbegrenzten Wirtschaftswachstum ist für Jürgen Bruhn die totalitärste Ideologie überhaupt - vergleichbar einem permanenten Krieg gegen die Natur. Wie kaum ein anderer kritisiert er die gegenwärtigen politischen Praktiken und Handlungsweisen, die geradewegs in die Katastrophe führen müssen. Es regieren nicht die Politiker, sondern die Wirtschaft dem Prinzip folgend: "Nach uns die Sintflut." Die Ergebnisse dieser Politik dürfen als bekannt vorausgesetzt werden.

In seiner Analyse der einzelnen Problembereiche werden einmal mehr die ernüchternden Fakten genannt. Im Folgenden stehen aber konkrete Maßnahmen für ein ökologisch verantwortliches Wirtschaften zur Diskussion: "Wir müssen heute damit beginnen, das System des unbegrenzten Wirtschaftswachstums in eine dauernd überlebensfähige Nachhaltigkeit umzulenken." Der mittlerweile übermäßig strapazierte Begriff der Nachhaltigkeit bedeutet bei Bruhn selektives Wachs-  turn, Recycling und das Anfreunden mit der Idee des "Genug" anstelle des immer "Mehr". Wichtigstes Element in seinen Visionen sind von einer erstarkten Weltorganisation erlassene Gesetze, Verhaltensregeln, Standards und Übereinkünfte, deren Durchsetzung in den Aufgabenbereich von dezentralisierten, weisungsbefugten, wählbaren und abwählbaren Ökoräten übergehen" muss. Angesichts der allgegenwärtigen Ohnmacht der WeItorganisation scheint diese Hoffnung zumindest kurzfristig nicht erfüllbar; die Einsetzung von Ökoräten aber ist eine zukunftsweisende Option, der zusätzlich zu einer Steigerung der Energieeffizienz und dem Einsatz sauberer Energieträger große Bedeutung zukommen sollte. Ob der noch immer vorherrschende Widerstand seitens der Industrie und Politik überwunden werden kann, wird nach Ansicht des Autors davon abhängen, ob wir zu einer" neuen Kultur des Widerstands, des zivilen Ungehorsams" finden werden. Bruhn nennt hier Möglichkeiten des Steuer- und Wahlboykotts, der Konsumverweigerung und des Generalstreiks als wesentlichste Instrumente. Die geforderte "große Verweigerung" ist wohl für eine lebenswerte Zukunft unumgänglich; dem Buch jedoch ist das Gegenteil zu wünschen.

A.A.

Bruhn, Jürgen: Ökoreport 2000. Wege aus der Umweltkatastrophe. Stuttgart (u. e.): Weitbrecht, 1994. ce. 272 5., DM 29,801 sFr 27,401 öS 233