
Während der letzten Jahre wurden vermehrt Stimmen laut, die sich ausgehend von einem akademischen Hintergrund (bemerkenswert häufig ist es der Bereich der Psychologie!) und mit einer klassisch-liberalen Positionierung (zumindest mit Blick auf die Frage der freien Meinungsäußerung) gegen eine Verengung des intellektuellen Diskurses und das Phänomen der „Schweigespirale“ (S. 311) stemmen. Einer der prominenten Namen im Umfeld dieser Strömung ist der Kognitionsforscher Steven Pinker. Auch in seinem neuen Werk widmet er ein ganzes Kapitel den Praktiken der Einschränkung des Sagbaren und deutet diese als Versuche, zu verhindern, dass sich unliebsame Ideen in „gemeinsames Wissen“ verwandeln (vgl. S. 309 f.).
Hauptthema des Buches ist aber gerade die gesellschaftliche Bedeutung von eben jenem „common knowledge“ (S. 9) – verstanden in dem Sinn, dass dabei alle Seiten einer Sozialbeziehung etwas wissen, zusätzlich aber auch alle Beteiligten wissen, dass es alle wissen. Meinungsfreiheit ist für Pinker also deshalb so wichtig, weil gemeinsames Handeln nur auf Basis von gemeinsamem Wissen möglich ist; entsprechend entspringt die autoritäre Praxis, die freie Rede zu beschneiden, einer Angst des Systems, alle könnten wagen zu handeln, sobald sie erfahren, dass auch alle anderen die Zustände kritisch sehen (vgl. S. 36 f.).
Ausgehend von spieltheoretischen Überlegungen stellt Pinker seine „Schlüsselidee“ (S. 52) vor, wonach gesellschaftliche Beziehungen im Grunde Koordinationsdilemmata sind und soziale Konventionen wie Sprachen, Rituale und Währungen Lösungsmöglichkeiten für eben diese darstellen. Vor allem die Schilderung diverser Koordinationsspiele (vom „Rendezvous“-Spiel bis hin zu Rousseaus Hirschjagd) und die illustrativen Beispiele aus Folklore und Popkultur machen aus Pinkers Buch eine ebenso erhellende wie unterhaltsame Lektüre über die Voraussetzungen menschlicher Zusammenarbeit.








