Das Problem der Bevölkerungsentwicklung wird gerne mit dramatischen Begriffen wie" B-Bombe" oder "Bevölkerungsexplosion" beschrieben. Auch wenn die Prognosen der Weltbevölkerung (6 Mia. im Jahr 1998 und 10 Mia. im Jahr 2050) beängstigend sind, so ist die Zunahme in den Entwicklungsländern in den vergangenen zwei Jahrzehnten von 6,1 auf 3,9 Kinder pro Frau zurückgegangen. Trotz abnehmender Geburtenrate wächst die Weltbevölkerung aber nach wie vor wegen der jungen Altersstruktur und einer Zunahme der Lebenserwartung. Der Bevölkerungswissenschaftler Herwig Birg unterscheidet die Auswirkung der Bevölkerungszahl auf die Umwelt und die negativen Auswirkungen der Konsum- und Produktionsweisen. Er hält die ungleiche Landverteilung zwischen Arm und Reich sowie das Transport- und Verteilungsproblem für die Hauptursachen von Massenarmut.

Der Direktor des "Instituts für Entwicklung und Frieden", Franz Nuscheler, kritisiert in seinem Beitrag die moderne Version des „Laisser Mourir" der Neomalthusianer vehement. Seines Erachtens gibt es im Norden zu viele Menschen, die sich einen umweltbelastenden Produktions- und Lebensstil leisten. Dem entspricht die Erkenntnis, dass eine kausale Wechselbeziehung zwischen Armut, Umweltzerstörung und Bevölkerungswachstum besteht, dass hohes Bevölkerungswachstum zugleich Ursache und Folge von Armut ist.

Durchbrochen wird dieser Kreis nach Ansicht des Autors durch eine Verbesserung des Gesundheitswesens und Anhebung des Bildungsniveaus besonders bei Frauen und insgesamt durch eine gezielte Bekämpfung der Massenarmut durch Verbesserung der Lebensbedingungen. Am Beispiel von Indien, Kenia und Brasilien beleuchtet die Soziologin Christa Wichterich die Schwierigkeit, den Kinderwunsch zu planen und fordert das Menschenrecht der freien Entscheidung, v. a. der Frau. Sozialethische Überlegungen zur Bevölkerungspolitik unternimmt der Theologe Johannes Müller; er kommt zur Erkenntnis, dass die Frauen eine Schlüsselrolle in der Familienplanung spielen. Kirchliche Veröffentlichungen und Stellungnahmen finden sich in einem Dossier am Schluss des Buches, das einiges zum Verständnis beitragen kann.

A.A.

Einen Beitrag zur Diskussion für die Bevölkerungskonferenz leisten Frauen in: Wenig Kinder viel Konsum? Stimmen zur Bevölkerungsfrage von Frauen aus dem Süden und Norden. Hrsg. v. Brot für alle ... Basel, 1994. 120 S. (Gerechtigkeit, Frieden, Bewahrung der Schöpfung)

Weniger Menschen durch weniger Armut? Bevölkerungswachstum - globale Krise und ethische Herausforderung. Hrsg. v. Franz Nuscheler ... Salzburg: Pustet, 7994. 797 5., DM 29,80 / sFr 27,40 / öS 233