US-Notenbankpräsident Ben Bernanke tönte noch 2005: „Es gibt keine Hauspreisblase, die platzen könnte“ und im übrigen spiegle der Immobilienmarkt nur die starke ökonomische Basis des Landes wider. Die Blase ist inzwischen geplatzt und die Turbulenzen an den Finanzmärkten verlangen nach Erklärungen. Alles begann damit, „dass Leute, die sich gar kein Haus leisten konnten, Kredite bekommen haben, die zurückzuzahlen sie nie hoffen konnten, ohne dass die Hauspreise weiter steigen würden“ (S. 23), erklärt der Ökonom Wolfgang Köhler pointiert. Die Darlehen waren billig zu haben, die Immobiliennachfrage trieb die Häuserpreise aber in die Höhe. So hatten sich im Landesdurchschnitt die Preise für ein Haus in den USA seit 1996 verdoppelt. Ende 2006 war, so Köhler, das Gesamtvolumen der Schulden eines amerikanischen Durchschnittshaushaltes fast drei ein halb mal so groß wie Ende 1990, während die Einkommen im gleichen Zeitraum nur um 125 Prozent gestiegen waren. Der Skandal dabei: Damals „drehten“ später als Kredithaie bezeichnete Banken selbst armen und alles andere als kreditwürdigen Kunden Darlehen an - sogenannte „Subprime“-Hypotheken, die der Finanzmarktkrise ihren Namen gaben. Anfang des Jahres 2007 nahm das Drama weiter seinen Lauf. Treffend formuliert es ein von Köhler zitierter US-Satiriker: „Ihr habt nach Bagdad geschaut und euch über den Irak-Krieg aufgeregt, während wir heimlich die ganze Welt ruiniert haben.“ (vgl. S. 23) Mitte 2007 sorgte schließlich die Pleite zweier Hedge Fonds der Investmentbank Bear Stearns an der Wall Street für Aufregung. Die damaligen Turbulenzen waren aber für Europa immer noch weit weg. Erst durch die Beinahe-Pleite der SachsenLB und des drohenden Zusammenbruchs der Düsseldorfer Mittelstandsbank IKB Deutsche Industriebank AG erreichte die Krise auch Deutschland bzw. Europa. Autor Köhler sieht die Wurzeln der ganzen Misere in der offensiven Regulierungsfeindlichkeit der US-Regierung und Bankenaufsicht. Nur keine Intervention in Bankgeschäfte und Immobilienkäufe, alles wird der Markt schon selber regeln! Inzwischen stehen notleidende Hypothekenbanken unter Staatsaufsicht und hunderte Milliarden Dollar wurden ins System gepumpt, um einen Liquiditätsengpass an den Kapitalmärkten zu verhindern. Und selbst hartgesottene Marktwirtschaftler wie Josef Ackermann, Vorstandsvorsitzender der Deutschen Bank, glaubt „nicht mehr an die Selbstheilungskräfte des Marktes“ (zit. S. 177). Stattdessen vertraut er lieber der heilenden Kraft der öffentlichen Hand. Gerne nimmt er also vom Staatstopf, gleichzeitig verbietet er sich aber jede Einmischung und Regulierung. Inzwischen gilt auch in Deutschland, so Köhler, das Diktum: „Staatliche Regulierungen der Banken sollen den schlimmsten Fall verhindern. Wenn er aber doch eintritt, hilft die Regierung.“ (S. 180) Köhler kommt zu dem Schluss, dass der Staat auf den Finanzmärkten Stärke zeigen müsse. „Er darf nicht einfach Banken herauskaufen, die Milliarden verzockt haben. Sondern er muss, wenn er dies tut, Bedingungen stellen.“ (S. 203) Gefragt seien in der jetzigen Situation neben schärferen Regeln und mehr Macht für die staatlichen Aufsichtsbehörden entsprechende Gesetze für den Finanzmarkt.

 

Köhler, Wolfgang: Wall Street Panik. Banken außer Kontrolle. Wie Kredithaie die Weltkonjunktur ins Wanken bringen. Murnau a. Staffelsee: Mankau-Verl., 2008. 206 S., € 18,95 [D], 19,40 [A], sFr 32,00 ISBN 978-3-938396-21-6 

Sommer, Rainer: Die Subprime-Krise und ihre Folgen.Von faulen US-Krediten bis zur Kernschmelze des internationalen Finanzsystems. 2. aktual. u. erweit. Aufl. Hannover: Heise-Verl., 2009. 224 S., € 18,-[D}, 18,50 [A], sFr 30,60 ISBN 978-3-936931-62-4