So bombastisch wie der Titel, so voluminös präsentiert sich dieses Werk aus einer Reihe mehr oder minder gewichtiger amerikanischer Zukunftsstudien. Nach seiner am Nationalstaat orientierten Auseinandersetzung "Aufstieg und Fall der großen Mächte" (1989) beschäftigt sich der Historiker Paul Kennedy nun mit den Kräften globalen Wandels wie Bevölkerungswachstum, neuen Technologien, Umweltschäden und Migration. Nach der Analyse allgemeiner transnationaler Trends (demographische Explosion, Robotik, Biotechnologie u.a.) werden die spezifischen Folgen für einige der wichtigsten Regionen und Länder der Erde (China, Indien, Entwicklungsländer, Europa, ehemalige UdSSR, Japan und USA) untersucht. (Kennedy sieht offensichtlich für den Natinoalstaat immer noch keinen Ersatz.) Einige Bemerkungen sollten genügen, um die US-zentristische Denkweise transparent zu machen. So will der Autor beispielsweise die "Entwicklungsländer auf ein langfristiges Denken ..., auf einen Abschied von traditionellen Wirtschaftsformen" umstellen, und sie sollen als Teil eines größeren, globalen Handelns die Anstrengungen der entwickelten Welt nachahmen und ihre wichtigsten Umweltschäden reparieren. Dies hält er jedoch selbst für unwahrscheinlich, da man 125 Milliarden Dollar pro Jahr brauchen würde, um diese Umweltprogramme bezahlen zu können - 70 Milliarden Dollar mehr, als sie derzeit an Mitteln von den Wohlhabenden bekommen. Etwas kurzsichtig scheint auch die Einschätzung, die Menschen der früheren UdSSR könnten nun frei entscheiden, "in welche Richtung ihre Reise gehen soll". Hier lohnt sich ein Blick auf die bisherige Praxis der "nachholenden Entwicklung", die meist größere Armut und Abhängigkeit zur Folge hatte. Die Feststellung schließlich, daß wachsende Nord-Süd-Spannungen, Massenmigration und Umweltschäden auch für die sogenannten Gewinner der Zukunft ins Haus stehen, ist nicht neu. Und wer zweifelt schon daran, daß die reichen Länder mit ihren technischen und finanziellen Reserven trotzdem besser auf das nächste Jahrhundert vorbereitet sein werden als die "Habenichtse". Darüber hinaus zieht Kennedy aber auch einige interessante Schlußfolgerungen.   Er hält die Rolle der Erziehung, die Lage der Frau und die Notwendigkeit politischer Führung für zukunftsentscheidende Faktoren. Die Kräfte des Wandels erfordern nichts weniger als eine "Neu-Erziehung der Menschheit". Deutlich wird auch der Zusammenhang von Analphabetismus und Bevölkerungswachstum; als einzig praktikablen Weg, diesen Teufelskreis zu durchbrechen, sieht er "die Einführung von billigen und verläßlichen Formen der Empfängnisverhütung" (Beispiel Brasilien). Kennedy fordert eine langfristige Politik, deren Verwirklichung er aber selbst nicht für realisierbar hält, solange es Experten gibt, die uns weismachen, daß es keinen Grund zur Aufregung gebe. AA

Kennedy, Paul: Vorbereitung auf das 21. Jahrhundert. Frankfurt/M.: S. Fischer, 1993.442 S., DM 48,-1 sFr 40,701 öS 374,40