Zum nunmehr bereits dritten Mal legt die Stiftung Entwicklung und Frieden (Bonn) "Globale Trends" vor. In neuem, lesefreundlichem Layout und mit einer noch größeren Zahl aktueller Graphiken und Tabellen ausgestattet, werden die hohen Erwartungen, die mit den vorangegangenen Ausgaben geweckt wurden, mehr als erfüllt. Mehr noch: Mit dieser Initiative hat das Worldwatch Institute mit seinen jährlichen Berichten "Zur Lage der Welt" einen gleichwertigen Partner zur Seite: Sachlich ausgewogen aufbereitete und allgemein verständliche Informationen auf Basis aktueller Daten sowie die fächerübergreifende Analyse wichtiger Trends der globalen Entwicklung ergeben ein gleichermaßen umfassendes wie kompaktes Buch, das sich als Nachschlagewerk ebenso anbietet wie zur Erarbeitung von Basiswissen. Daß jedes der Kapitel mit "Perspektiven und Optionen" endet, unterstreicht den von Herausgeber und Autoren geteilten Willen, über den Befund des Bestehenden hinaus einen Beitrag zur Problemlinderung globaler Herausforderungen zu leisten.

In den sechs Großabschnitten (Weltpolitik, -gesellschaft, -wirtschaft, -ökologie, -frieden und -kultur) sind insgesamt 18 zentrale Parameter der globalen Entwicklung ausführlicher erörtert, wobei es dem Herausgeber vorbehalten bleibt, mit dem einleitenden Kapitel "Weltordnungspolitik - Chance oder Utopie?" die Unabdingbarkeit einer umfassenden Kurskorrektur zu verdeutlichen. Gestützt auf ein "Szenario des globalen Wachstums", das primär das Dogma jährlicher Wirtschaftszuwächse, und erst in zweiter Linie das Bevölkerungswachstum als Quelle der Ressourcenverknappung benennt, ohne damit der zunehmenden Verarmung der Weltbevölkerung entgegenzuwirken, formuliert Ingomar Hauchler unmißverständlich, daß "universaler Wahrheitsanspruch des westlichen Denkens und die daraus fließende Dynamik der Ökonomie nach allem, was wir heute über Ressourcen und Umwelt wissen, den endlichen Rahmen der Erde sprengen werden. Nur ein globales Denken, das die Verabsolutierung des Individuums, des Fortschritts und der Ratio korrigiert, kann dies verhindern."

Die Studie vermittelt eine Fülle von Ansätzen, die dazu beitragen können, dem immer wieder beklagten Niedergang der Welt entschlossen entgegenzuwirken. Ein Schlüsselfaktor wird neben der Effizienzrevolution im Umgang mit Ressourcen die Umverteilung und Neustrukturierung der Erwerbsarbeit sein. Daß diesem Aspekt im Kapitel Wirtschaft (neben Handel und Finanzen) gesondert Augenmerk geschenkt wurde, ist mit Verweis auf die jüngsten Signale - etwa von seiten der IG Metall und der österreichischen Caritas positiv zu werten.

W Sp.

Globale Trends 1996. Fakten, Analysen, Prognosen. Hrsg. v. Ingomar Hauchler. Fischer Taschenbuch Verl., 1995.538 S., DM / sFr 24,90/ ÖS 184