Wenn wir so weitermachen wie bisher, begehen wir ökologischen Selbstmord. Aus dieser Einsicht ergibt sich zwingend die Abkehr vom Wegwerfprinzip in der Industriegesellschaft. Der Wirtschaftsjournalist Christian Deutsch kommt bei seinen Recherchen zum Schluss, dass diese rationale Erkenntnis auch tatsächlich einen grundlegenden Wandel des Industriesystems in Richtung längerer Produktzyklen bewirken wird. Zunächst wendet er sich dem Recycling zu und zeigt anhand umfangreichen Zahlenmaterials, dass dieses Verfahren kein gangbarer Weg in die Zukunft sein kann, denn würde man alleine die in Europa bis zur Jahrtausendwende verfügbaren Autos aneinanderreihen, ergibt dies eine Entfernung Erde - Mond. Allein in Deutschland dürften bei einem Fahrzeugbestand von etwa 42 Mio. ab 1995 jährlich 3,5 Mio. Karossen zur Verschrottung anfallen.

Zudem fallen in der BRD jährlich über eine Mio. Tonnen Computer und Elektronikschrott an. "Allein die aus deutschen Haushalten ausrangierten Waschmaschinen und Herde reichen Stück für Stück aneinandergereiht, jedes Jahr vom Nordkap bis Sizilien." Deutsch zeigt, dass nur eine andere Form von Recycling, nämlich Reparatur oder Aufarbeitung, die Lebensdauer von Produkten verlängert. "Ziel sollte eine Produktion sein, die mit möglichst wenig Rohstoffen und Energie einen möglichst hohen Nutzen während möglichst langer Zeit schafft." Der Autor präsentiert eine Reihe positiver Beispiele, die die Strategie der Langlebigkeit und das damit verbundene Vermeidungspotential verwirklicht haben. 'Neben der MEWA Textil-Service AG, dem Bürostuhlproduzenten Grammer oder dem Versandhaus Manufactum sind es v. a. japanische Unternehmen (Minolta), die sich der Langlebigkeit ihrer Produkte verschrieben haben und damit entsprechende Marktvorteile erzielen.

Diskutiert werden auch andere Möglichkeiten (am CD-Markt, bei Autoleasing oder Modultechnologie in der Computerbranche), anstelle des Produkts die Nutzung zu verkaufen. Deutsch nennt hinlänglich bekannte Gründe für das zu Ende gehende Zeitalter kurzlebiger Massenprodukte wie hohe Entsorgungskosten, geändertes Konsumverhalten, den Trend zur Dienstleistungsgesellschaft und Wettbewerbsvorteile. Als notwendig erachtet er auch eine Steuerreform, damit Umweltverbrauch teurer, der Arbeitseinsatz hingegen billiger wird. Der Autor verspricht sich wenig von Appellen zum Maßhalten, sondern hält Kampagnen wie "Mieten statt Kaufen" für einen effektiven Weg. "Nicht mehr das Habenwollen und der Besitz eines Produkts darf das Ziel (der) Wünsche sein, sondern die Dienstleistung, die es erbringt."

A. A.

Deutsch, Christian: Abschied vom Wegwerfprinzip. Die Wende zur Langlebigkeit in der industriellen Produktion. Stuttgart: Schäffer-Poeschel, 1994. 171 S., DM 48,- / sFr 44,20 / öS 375