Die westliche Welt lässt die Erde mit wachsendem Tempo zur Deponie werden. Diese erschreckende Einsicht veranschaulicht der Autor anhand vieler Beispiele, indem er aufzeigt, wo Abfall entsteht, was mit ihm geschieht und welche Folgen seine Behandlung mit sich bringt. Schon der Einstieg über die skrupellosen und gewinnbringenden Praktiken der Müllhändler läßt die Brisanz und die Gefährlichkeit des Themas spüren. Im anschließenden Teil beleuchtet der Autor schlaglichtartig die verschiedenen Müllproduzenten und zeigt an Beispielen die von ihnen ausgehenden Zusammenhänge auf. Den verschiedenen Praktiken der Müllentsorgung in der Erde, im Wasser, im Feuer und in der Luft sind die folgenden Seiten gewidmet. Bestürzend auch hier die Entsorgung" unterwegs", bei der die Müllproduzenten "mehr nach den leichtesten als nach den besten Möglichkeiten der Entsorgung suchen".

Gourlay bleibt auf der Suche nach Lösungsansätzen für die aufgezeigten Mißstände skeptisch, ob die Industrie umweltorientierte Produktionsprinzipien in absehbarer Zeit praktizieren wird. Er kritisiert etwa, dass Erklärungen wie die "Valdez-Prinzipien", die nach dem Tankerunfall der Exxon Valdez im März 1989 formuliert wurden, zu allgemein sind. Auch die Konferenz von Rio habe vor allem „100 Millionen Blatt unrecycliertes Papier produziert", sonst aber nicht viel dazu beigetragen, "um den Grundwiderspruch zwischen weiterem "Wachstum in der WeltKonsumgesellschaft" und dem Abfallproblem zu lösen". Dieser Vorwurf läßt sich allerdings auch auf den Autor anwenden, der Möglichkeiten der Umorientierung zu wenig Platz einräumt. Gerade angesichts der oft entmutigenden Dimensionen der MüllMißwirtschaft würde sich wohl jeder Leser über Möglichkeiten freuen, etwas auf dem Weg aus diesem Dilemma beitragen zu können. R.M.


Gourlay, Ken A.: Deponie Erde. Wachstum in den Müllnotstand.

Bann: J.H.W Dietz Nachf., 1993. 3525., DM 29,80/sFr 30,80/ÖS 233