Die jährlich anfallende Pro-Kopf-Hausmüllmenge ist in Deutschland mit ca. 370 kg seit Jahren recht konstant, weil Verwertungsbemühungen durch Mehrkonsum ausgeglichen werden. In den USA waren es 1986 pro Einwohner durchschnittlich 864 kg, in Japan 394 kg Hausmüll. Die Vorstellung, man könne den Müllberg durch Wiederverwertung verkleinern, scheint jedoch eine Illusion zu sein. Die Autoren, Mitinhaber einer Agentur, die sich auf Öffentlichkeitsarbeit zu Umweltthemen spezialisiert hat, weisen an vielen Beispielen nach, dass Recycling unser Müllproblem erstens nicht lösen wird, und zweitens dieser Kreislauf stetig Energie frißt und in vielen Fällen nicht nur ökologisch fragwürdig, sondern überhaupt nicht existent ist. Die einzige Alternative sehen die Verfasser in einer konsequenten Strategie der Müllvermeidung.

Kaum ein Politiker wagt es, "an den Grundfesten der Marktwirtschaft zu rütteln und dergestalt in die Produktion einzugreifen, dass Abfälle gar nicht entstehen, schadstoffhaltige Produkte verschwinden oder Erzeugnisse auf ihre Notwendigkeit hinterfragt werden". Verschiedene Recyclingverfahren für Glas, Papier, Metalle und Kunststoffe werden zunächst einer kritischen Beurteilung (bei Glasflaschenrecycling, Milchverpackung) unterzogen. Anschließend werden Möglichkeiten der Müllvermeidung auf industrieller, kommunaler und Verbraucherebene konkret formuliert. Fortschrittliche Abfallwirtschaftskonzepte gehen von einer erreichbaren Vermeidungsquote von 15% aus. Besonders favorisiert wird in diesem Zusammenhang die Kompostierung, da 42% des Hausmülls derart in den Kreislauf der Natur rückführbar sind.

Beispiele aus der Praxis zeigen, wie etwa bei IBM-Deutschland, Römerquelle in Österreich oder dem Bosch-Konzern in Plochingen gewerbliche Abfallvermeidungsinitiativen erfolgreich sind. Zur Durchsetzung der vorgeschlagenen Vermeidungsstrategie werden ein Verbot besonders umweltschädlicher Produkte, gesetzliche Regelungen, die Produzenten zwingen, Umweltbelastungen in den Preis der Produkte hineinzurechnen bzw. eine mengenabhängige Müllgebühr gefordert. Langfristig kann Müllvermeidung jedoch nur über eine umweltbewusste Produktgestaltung und einen umweltverträglichen Herstellungsprozess erreicht werden. "Das Denken an das Ende des Produktes muss am Anfang des Produzierens stehen." Obwohl die Argumente im Sinne von "Vermeiden statt Entsorgen" brandaktuell sind, findet der Leser hier kaum Neues, auch die angeführten Fakten sind durchwegs älteren Datums. AA

Hoffmann, Frank; Rombach Theo: Die Recyclinglüge. Vermeiden statt verwerten. Stuttgart: Trias-Thieme, 1993. 1595., DM 29,80 / sFr 27,40/ÖS 233